Übernahmekampf
Oracles Angebot hat gute Chancen

Rechtliche Hürden und Störmanöver werden Larry Ellison beim Kauf von Peoplesoft kaum aufhalten können.

jkn FRANKFURT/M. Larry Ellison, Chef des US-Softwareriesen Oracle, liebt und sucht die Herausforderung. Sein feindliches Übernahmeangebot für den US-Wettbewerber Peoplesoft ist dafür ein eindrucksvoller Beleg. Auch wenn die Absicht, sich Peoplesoft einzuverleiben, strategisch umstritten bleibt, sieht es doch so aus, als ob Ellison am Ende alle ihm in den Weg gestellten Hindernisse aus dem Weg räumen wird.

Noch wartet auf Ellison freilich viel Arbeit. Fast täglich tun sich neue Hürden für den umstrittenen und egomanischen Software-Manager auf. So denken mehrere US-Staaten darüber nach, gemeinsam eine Wettbewerbsklage gegen Oracle einzureichen. Die Bundesstaaten - einige davon Peoplesoft-Kunden - fürchten erheblich Zusatzkosten, etwa weil neue Systeme installiert werden müssen. US-Rechtsexperten bezweifeln allerdings die Erfolgsaussichten einer solchen Kartellklage.

Weitaus schwerer wiegt aber, dass es Ellison immer noch nicht gelungen ist, die Zweifel am strategischen Sinn seines Zukaufs zu beseitigen. Auch sein mit Spannung erwarteter Auftritt gestern bei der Kundenmesse "AppsWorld" in London brachte keine Klarheit.

Die immer neuen Aussagen in den großformatigen Anzeigen erwecken vielmehr den Eindruck, als wisse das Oracle-Management selber nicht genau, was mit dem Zukauf geschehen soll. Hatte Ellison zunächst angekündigt, die Produkte und die Wartung für Peoplesoft auslaufen zu lassen, hat er diese Aussage jetzt gründlich revidiert. "Wir werden die Peoplesoft-Produkte nicht einstellen. Wir werden einen qualitativ hochwertigen Kundenservice für Peoplesoft bieten", verspricht Oracle in Zeitungsanzeigen.

Die Zweifel vieler Software-Experten am Sinn einer Übernahme werden dadurch nicht beseitigt. Glaubt man den Fachleuten, so ist die Peoplesoft-Technologie weitaus ausgereifter als die von Oracle. "Es wäre wirklich sinnvoller, wenn Oracle sein Produkt einstellt und nicht das von Peoplesoft", wetterte kürzlich Hasso Plattner, Mitgründer des Oracle-Rivalen SAP.

Ellison will das Argument nicht gelten lassen. "Peoplesoft-Anwendungen sind zu 100 Prozent in einer firmeneigenen Sprache geschrieben. Alle neuen und künftigen Programme von Oracle basieren auf dem offenen Internetstandard Java", warb er gestern in London für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmenssoftware seines Hauses

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Dennoch bleiben Fragen unbeantwortet; etwa die, ob jeder der 5 000 Peoplesoft-Kunden mehr als eine Million Dollar wert ist. Schließlich ist unklar, wie viele der Anwender Oracle am Ende die Treue versprechen oder doch zu einem anderen Anbieter wechseln werden. "Peoplesoft steht vom Ansatz gesehen eigentlich SAP näher als Oracle", glaubt Nils Niehörster vom Marktforscher Raad Consult.

Dennoch dürfte der begeisterte Segler Ellison am Ende erfolgreich sein. Daran wird auch Peoplesoft-Chef Craig Conway, ein früherer Mitarbeiter und erbitterter Gegner von Ellison, nichts ändern können. Seine Suche nach einem "Weißen Ritter", der das Angebot von Oracle überbieten könnte, dürfte schwierig werden. Microsoft und SAP haben bereits abgewunken, Siebel verfügt nicht über die finanziellen Mittel. Dass IBM und Hewlett Packard eine Interesse an Peoplesoft haben, wird in der Branche stark bezweifelt.

Zum Verhängnis könnte Conway werden, dass viele Fonds die breit gestreute Peoplesoft-Aktie (Streubesitz über 80 %) in ihrem Depot haben. "Zur Zeit nehmen Fonds angesichts der Aktienkrise ein gutes Barangebot gerne an", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden will.

Überdies hat Ellison ein Pfund, mit dem er auf seiner Werbetour wuchern kann. Oracle kommt mit rund 36 % auf eine Vorsteuerrendite, die weit über der von Peoplesoft (rund 15 %) liegt. Zwar erreicht Oracle diesen Wert, weil das Stammgeschäft mit Datenbanken sehr margenstark ist. Dennoch dürfte die Aussicht auf eine bessere Rendite bei Investoren auf offene Ohren stoßen.

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