Übernahmen derzeit besonders attraktiv
Deutsche sehen Chancen in den USA

Deutsche Unternehmen halten in der aktuellen Krise an ihren Engagements in den USA fest. Sie sehen dort langfristige Wachstumschancen und wollen die Gelegenheit für Zukäufe von Beteiligungen nutzen.

NEW YORK. Der Schock des 11. September hielt nicht lange an. Die meisten US-Töchter deutscher Unternehmen glauben an eine schnelle Erholung der amerikanischen Wirtschaft. Und viele sehen gerade jetzt einen guten Zeitpunkt zum Investieren. "Die deutschen US-Töchter sind amerikanischer geworden und konzentrieren sich nun stärker auf die Chancen, die die kritische Situation bietet", sagt Andreas Back, Chef der New Yorker Filiale der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Gemeinsam mit der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York hat die Beratung in einer Blitzumfrage 25 Geschäftsführer deutscher Unternehmen gefragt, wie die Ereignisse des 11. September und die nachfolgenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen ihr Geschäft in den USA beeinflusst haben. Die befragten Unternehmen reichen von der BASF AG, die in den USA 10 000 Menschen beschäftigt, bis zum mittelständischen Maschinenbauer mit 200 Beschäftigten in Amerika.

Umfrage zeigt Optimismus deutscher Unternehmen für das US-Geschäft

90 % der Befragten sagten zwar, dass die Terror-Anschläge ihre Umsätze im laufenden Jahr direkt negativ beeinflusst hätten, 80 % rechnen aber für das kommende Jahr mit Stabilität oder Zuwächsen. Für 2003 sehen zwei Drittel der Unternehmen mindestens 10 % Wachstum voraus. 87 % der Befragten glauben, dass sich die Volkswirtschaft der USA innerhalb der kommenden 18 Monate erholen wird.

Deshalb finden mehr als drei Viertel der Unternehmen, dass deutsche Firmen auf Grund der Steueranreize und der niedrigen Zinsen gerade jetzt in den USA investieren sollten. Nur 8 % wollen Investitionen verzögern.

Auch die Washingtoner Vertretung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sieht keinen Hinweis darauf, dass deutsche Direktinvestitionen rückläufig wären. Stuart Schorr vom Daimler-Chrysler-Büro in Washington beteuert ebenfalls, die Anschläge hätten die Pläne des Unternehmens "in keiner Weise verändert". Der Autokonzern wolle zwischen 2000 und 2005 rund 30 Mrd. $ in den USA direkt investieren. In der Pharma- und Chemieindustrie sieht der Trend ähnlich aus. So wird die Celanese AG in diesem Jahr 120 Mill. $ in den USA investieren; 2000 waren es nur 78 Mill. $.

Übernahmen derzeit besonders attraktiv

Hans Decker, Wirtschaftsprofessor an der Columbia University und ehemaliger Vize-Chairman von Siemens in den USA, ist überzeugt, dass die günstigen Benzinpreise und die niedrigeren Steuern die US-Verbraucher bald wieder zum Geldausgeben verleiten werden. "Und dann ziehen auch die Investitionen wieder an, auch die deutschen", sagt er voraus.

Manche deutsche Unternehmen sehen derzeit sogar die Chance zur Schnäppchenjagd. Nicht zuletzt wegen niedriger Börsenkurse seien derzeit Unternehmen erschwinglich, die sich noch vor zwei Jahren keiner leisten konnte, sagt Back von Droege. In der Umfrage kündigten 40 % der Befragten an, ihre Expansion durch Zukäufe, Fusionen und Gemeinschaftsunternehmen zu beschleunigen. "Wir haben noch nie so viele Unternehmen bei Übernahmen und Joint Ventures beraten wie jetzt nach dem 11. September", sagt Back aus eigener Erfahrung.

Mit ihren Beschäftigten gehen die US-Töchter deutscher Firmen derzeit sanfter um als ihre Konkurrenten. Während viele US-Unternehmen die Ereignisse des 11. September zum Anlass für Massenentlassungen genommen haben, bauen die Deutschen kaum Stellen ab und wenn, dann war das schon vor den Terror-Attacken geplant. Einige suchen derzeit sogar neue Mitarbeiter.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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