Übernahmen erwartet
Internet-Buchhändler: Nach Boom folgt bald Konsolidierung

Deutschlands Marktführer Amazon.de rechnet damit, dass das Geschäft in zwei Jahren langsam abflachen wird. Zuvor sei aber noch mit ordentlichen Wachstumsraten zu rechnen.

dpa BAD HERSFELD. Der Internet-Buchhandel wird sich nach Einschätzung des führenden deutschen Online-Händlers amazon.de nach einigen weiteren Boom-Jahren langsam konsolidieren. "Ich denke, dass in diesem Jahr eine Verdopplung der Umsätze stattfindet, dass es nächstes und übernächstes Jahr ähnlich sein und dann langsam abflachen wird", sagte der Verantwortliche für den Buchbereich bei amazon.de, Stephan Roppel. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Internet-Buchhändler rund 150 Mill. DM Umsatz, was ein Plus von 150 % war.

Für dieses Jahr schätzt Roppel rund 300 bis 400 Mill. DM Umsatz oder einen Anteil von 2,5 bis drei Prozent am gesamten Buchhandel. Neben etwa drei bis fünf reinen Internet-Buchhändlern, die in einigen Jahren den Markt dominieren würden, werde es weiterhin eine "ganze Bandbreite von Anbietern geben, die mit traditionellen Buchläden und online parallel operieren". Bei den reinen Internet- Shops wird es nach Roppels Erwartung verstärkt Übernahmen und Zusammenschlüsse geben. Bislang gibt es sechs größere reine Internet- Buchläden in Deutschland, darunter neben amazon.de die Anbieter buch.de., buecher.de, booxtra.de, bol.de und buchhandel.de.

Mit einem Umsatz von 120 Mill. DM war amazon.de 1999 mit Abstand Marktführer. Von seinem neuen Logistikzentrum im osthessischen Bad Hersfeld aus werden täglich rund 20 000 Päckchen mit Büchern, Musik-CDs und Videos an bisher eine Million Kunden verschickt. In diesem Jahr will das Unternehmen mit Sitz in Hallbergmoos bei München im operativen Buchgeschäft erstmals schwarze Zahlen schreiben, was der amerikanischen Mutter amazon.com bereits Ende 1999 gelungen sei. Künftig sollen laut Roppel auch andere Produkte wie Geschenkartikel und Stofftiere angeboten werden.

Den Rabattspielraum von fünf Prozent, den die am 1. Juli in Kraft tretende Buchpreisbindung beim Verkauf nach Österreich einräumt, werde amazon.de nicht ausschöpfen, kündigte Roppel an. "Es würde auf einem globalen Markt keinen Sinn machen, von österreichischen Kunden fünf Prozent weniger zu verlangen als von deutschen. Das ist auch nicht in dem Bereich, wo es richtig spannend wird." Die Preisbindung habe sowohl Vor- als auch Nachteile. "Sie bremst einerseits die Kreativität von Marketingprogrammen, aber andererseits enthebt sie uns von der Notwendigkeit, uns ständig Preiskämpfe zu liefern. Und sie macht die Umsätze kalkulierbar, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist."

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