Überprüfung des Börsenbarometers am 13. August
MLP-Rauswurf aus Dax immer wahrscheinlicher

Ein Ausscheiden des Finanzdienstleisters MLP aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) nach dem jüngsten Kursrutsch wird von Marktteilnehmern zunehmend als möglich erachtet.

Reuters FRANKFURT. "Ich denke, die Börse kommt jetzt nicht mehr darum herum, MLP auszutauschen", sagte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Montag mit Blick auf die am 13. August anstehende jährliche Überprüfung des führenden deutschen Börsenbarometers. Entschieden wird dabei auf Grundlage der so genannten Rangliste des Monats Juli, in der die deutschen Unternehmen nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz sortiert sind. Wer nach beiden Kriterien auf den ersten 35 Plätzen liegt kann in den Dax aufgenommen werden.

Nach Analystenberechnung dürfte MLP auf der Juli-Liste, die diese Woche von der Börse veröffentlicht wird, nach Börsenwert auf Platz 35 liegen und sich damit noch so gerade für einen Verbleib qualifizieren. Knackpunkt ist jedoch, dass MLP den Berechnungen zufolge durch den Kurseinruch von fast 50 % am Freitag, also nach Schließung der Juli-Liste, auf Platz 60 abgerutscht ist. Davor hatten Analysten noch einheitlich mit einem Verbleib von MLP im Dax gerechnet.

Am Montagmittag notierten die MLP-Aktien bei rund 8,90 ? und damit fast 90 % unter dem Jahreshoch von 83,29 ?. Presseberichte über angebliche Bilanzungereimtheiten hatten den Kurs in den vergangenen Monaten kräftig unter Druck gesetzt. Einig sind sich die Analysten unterdessen, dass der Pharma- und Chemiekonzern Altana, der Kosmetikspezialist Beiersdorf und die Deutsche Börse AG selbst in dieser Reihenfolge Dax-Aufstiegskandidaten sind. Am 13. August trifft sich der mit Marktteilnehmern besetzte Arbeitskreis Aktienindizes, der den Vorstand der Börse bei einer möglichen Veränderung von Indizes berät. Danach entscheidet der Börsenvorstand über etwaige Anpassungen. Die Mitgliedschaft in einem Index ist für Unternehmen attraktiv, da sie dadurch stärker in den Blickpunkt von Fondsmanager geraten.

Experten zu MLP nicht einig

Der Verbleib von MLP im Dax steht nach Ansicht von Experten auf Messers Schneide. "Das wird eine politische Entscheidung, der Arbeitskreis wird gespalten sein", prophezeite ein Börsianer. Ingo Schmitz, Indexstratege der Deutschen Bank, hält die Wahrscheinlichkeit für ein Ausscheiden des Unternehmens für recht hoch. Schließlich könne die Börse nicht die Augen vor der jüngsten Entwicklung verschließen, sagte er.

Seine Kollegin Claudia Volk von WestLB Panmure rechnet hingegen eher mit einem Verbleib der Aktie im Dax. "Die Betrachtung der Börse ist immer eine rückblickende gewesen, Szenario-Rechnungen hat sie bislang nicht zu Grunde gelegt", sagte Volk. Außerdem sei angesichts der starken Schwankung der Aktienmärkte die "Gefahr" sehr groß, dass die MLP-Aktie sich schnell erhole und dann wieder "an die Tür" zum Dax klopfe. "Außerdem kann sich die Börse nicht dem Verdacht aussetzen, sie rechne mit einem weiteren Kurs-Verfall bei MLP."

Rainer Gerdau, Analyst bei der Dresdner Bank, rechnet auch nicht mit einem Abstieg von MLP und verweist zur Begründung darauf, dass nach seinen Kalkulationen Epcos in der Juli-Rangliste schlechter dastehen wird als MLP. "Man kann nicht Epcos drin lassen und MLP herausnehmen", sagte Gerdau, der Epcos bei der Marktkapitalisierung im Juli auf Rang 39 sieht. Da aber die Kriterien für die Indexmitgliedschaft "Kann-Regeln" seien und die Börse im Normalfall Kontinuität den Vorrang gebe, rechne er nicht mit einem Abstieg der beiden Unternehmen.

Ergänzung des Index-Regelwerks vorgeschlagen

Schmitz hält eine Ergänzung des Regelwerks für Aktienindizes für sinnvoll. "Es hat sich gezeigt, dass es eine Lücke in den Regeln gibt", sagte er. Es gebe zwar die Möglichkeit, auch außerhalb der einmal jährlich stattfindenden Überprüfung des Dax ein Unternehmen wegen Insolvenz oder Fusion aus dem Index zu entfernen. Nicht erfasst sei aber der Fall, dass die Marktkapitalisierung eines Unternehmens zwischen zwei Überprüfungsterminen auf nicht mehr akzeptable Weise zusammenschmelze. "Vorstellbar wäre eine Regelung, nach der eine Gesellschaft aus dem Index entfernt werden kann, wenn sie in zwei oder gar drei Monatsranglisten hintereinander schlechter als Rang 50 liegt", umriss er die mögliche Ausgestaltung einer solchen Neuerung.

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