Überraschend gutes Quartalsergebnis
SEC untersucht Bilanzen von AOL Time Warner

Die Behörde suche Beweise, ob der Medienkonzern in den vergangenen beiden Jahren die Bilanz durch kreative Buchführung geschönt hat.

siri SAN FRANCISCO. Die Bilanzen des Medienkonzerns AOL Time Warner Inc. rufen die US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan: Das New Yorker Unternehmen bestätigte Berichte über eine Untersuchung der SEC. Die Behörde suche Beweise, ob der Medienkonzern in den vergangenen beiden Jahren die Bilanz durch kreative Buchführung geschönt hat. So soll Werbung, die AOL Time Warner für das Online-Auktionshaus Ebay verkauft hat, als eigener Umsatz gebucht worden sein. Auch eine Zahlung aus einem Rechtsstreit sei als Umsatz aus laufenden Geschäften ausgewiesen worden. Die Vorwürfe hatte die US-Tageszeitung "Washington Post" veröffentlicht.

Richard Parsons, Vorstandschef von AOL Time Warner, widersprach den Vorwürfen. Die Buchführung sei korrekt und von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young abgenommen worden, sagte er. Mit der SEC werde er bei der Klärung der offenen Fragen eng zusammenarbeiten.

Der Börsenkurs reagierte negativ, die AOL-Aktie verlor nachbörslich 6,6 %. Seit Beginn des Jahres hat der Wert mehr als 70 % verloren. In Zeiten, in denen Unternehmen wie Enron und Worldcom durch Finanzskandale von sich reden machen, wirken Berichte über Ungereimtheiten in der Bilanz und eine Überprüfung durch die SEC niederschmetternd auf das Investorenvertrauen.

Unterdessen gab AOL Time Warner die Ergebnisse des zweiten Quartals des laufenden Geschäftsjahres bekannt. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Nettogewinn von 9 Cent je Aktie. Im Vorjahresquartal hatte hier ein Verlust von 17 Cent gestanden. Grund für den hohen Verlust waren damals unter anderem Abschreibungen auf den Mehrwert übernommener Firmen gewesen - die entsprechende Bilanzierungsregel ist Anfang des Jahres abgeschafft worden. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erreichte 2,46 Mrd. $ und lag damit nur leicht über dem Ergebnis des Vorjahresquartals. Inklusive einmaliger Einnahmen erreichte der Gewinn pro Aktie 24 Cent und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die mit 22 Cent pro Aktie gerechnet hatten. Deutlich gestiegen ist der Umsatz: um 10 % auf 10,6 Mrd. $.

Vor allem Film-, Musik- und Fernsehgeschäft trugen zum guten Ergebnis bei. Das Online-Geschäft von AOL belastete dagegen das Ergebnis. Bei AOL fiel das Ebitda um 27 % auf 437 Mill. $, der Umsatz sank um 3 % auf 2,3 Mrd. $. Besonders stark war der Umsatzeinbruch bei Online-Werbung und E-Commerce: Er sank um 42 % auf 412 Mill. $. "AOL hat Probleme", kommentierte Jordan Rohan, Analyst beim Investmenthaus Soundview Technology. Vergangene Woche hatte AOL Time Warner das Management umstrukturiert und den Chef des AOL-Geschäftsbereiches zum Rücktritt bewegt. Gerüchte, dass der Medienkonzern sich vom Internet-Zugangsanbieter AOL trennen wolle, wies der Konzern aber zurück.

Für das laufende Geschäftsjahr hielt AOL Time Warner an den Prognosen fest. Danach soll das Umsatzwachstum am oberen Ende der Fünf- bis Acht-Prozent-Spanne liegen. Der Gewinnzuwachs soll dagegen am unteren Ende der Prognosen von 5 % bis 9 % liegen.

Quelle: Handelsblatt

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