Überraschend starkes Interesse
Die Post-Aktie ist bereits überzeichnet

Vor dem Börsengang stieß die "Aktie gelb" auf eher verhaltene Resonanz bei den Analysten. Doch mittlerweile geht die Post ab - vor allem institutionelle Anleger stehen Schlange für den neuen Titel.

FRANKFURT/M. Die Privatisierung der Deutschen Post World Net läuft deutlich besser als erwartet. Nach Informationen des Handelsblatts übertrifft die Nachfrage der Anleger bereits eine Woche nach dem Start der Zeichnungsfrist die Anzahl der 278,2 Mill. angebotenen Aktien. Dies hat die Konsortialbanken überrascht, da sich Fondsmanager im Vorfeld des Börsengangs zurückhaltend geäußert hatten. Angesichts der schlechten Erfahrung der Anleger mit der letzten Telekom-Emission im Sommer dieses Jahres sei die gute Nachfrage "etwas verwunderlich", konstatiert denn auch Thomas Meyer, Fondsmanager bei Union Investment. Dies spreche dafür, dass sich in Deutschland eine echte Aktienkultur entwickelt habe.

Private Investoren haben nach Angaben aus Finanzkreisen bisher "ordentlich gezeichnet". Über 30 % der Nachfrage gingen auf Kleinanleger zurück. Der Löwenanteil des Zeichnungsvolumens entfalle aber auf institutionelle Investoren wie Fonds und Versicherungen - vor allem aus Deutschland. Dass die ausländischen Profis bisher noch keine stärkere Rolle spielen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn die Präsentationen des Post-Managements im Ausland sind erst vor kurzem angelaufen und werden in dieser Woche fortgesetzt. Insgesamt wäre eine drei- bis vierfache Überzeichnung ein Ergebnis, mit dem man sehr gut leben könne, erklären Banker. Die Zeichnungsfrist läuft bis Mitte November, Frühzeichnerrabatte werden bis 10. November gewährt.

Impulse durch verbessertes Börsenklima

Als einen Hauptgrund für den erfolgreichen Zeichnungsauftakt sehen Fondsmanager den hohen Mittelzufluss in den letzten Monaten an, der trotz der jüngsten Börsenturbulenzen zu beobachten war. Im dritten Quartal investierten Anleger nach den Statistiken des Bundesverbands Deutscher Investment Gesellschaften zusätzliche 17,4 Mrd. Euro in Publikums- und Spezialfonds. "Dank des Mittelzuflusses kann man die Post-Aktie kaufen, ohne andere Wertpapiere abstoßen zu müssen", betont Rüdiger Weber, der den DIT-Fonds Logistics und Services verwaltet. Ein kluger Schachzug des Bundes war es auch, die Preisspanne für die "Aktie gelb" bei 18 bis 23 Euro festzulegen. Sie lag damit niedriger als vielfach erwartet. Die Verbesserung des Börsenklimas in den letzten beiden Wochen gab nach Ansicht von Bankern ebenfalls Impulse.

Trotz der guten Vorzeichen ist der Erfolg der Emission noch nicht vollständig gesichert. Denn die vom Handelsblatt befragten Fondsmanager betonen, dass letztlich der Ausgabekurs entscheidend sein werde. Martini beobachtet eine "ausgeprägte Preissensibilität" der Investoren. "Viele Institutionelle wollen keine Aktien, wenn der Emissionskurs deutlich über der Mitte der Book-Building-Spanne liegt", erklärte Martini. Dies bestätigt Fondsmanager Weber: "Ich habe meine Order schon platziert, allerdings mit einem Limit in der unteren Hälfte der Preisspanne."

An der grundsätzlichen Einschätzung der Post durch die Fonds hat sich nichts geändert. Die Aktie gilt als solides Langzeitinvestment. "Die Post ist keine heiße Emission, sondern eine langfristige Anlage", urteilt Weber.

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