Überraschend Zwischenbilanz veröffentlicht
Chaos bei Kvaerner: Norweger wollen keine Rettung aus Russland

Der norwegische Anlagen- und Schiffbaukonzern Kvaerner hat am Montag trotz akuter Konkursgefahr Rettungspläne seiner beiden größten Anteilseigner Yukos Oil aus Russland und Aker Maritime aus dem eigenen Land abgelehnt. Vorstandschef Kjell Almskog kündigte wenige Tage vor seinem bereits feststehenden Rücktritt einen eigenen Sanierungsplan an, ohne aber Einzelheiten zu nennen.

dpa OSLO/ROSTOCK. Der Aufsichtsratsvorsitzende Harald Arnkvärn erklärte, er sei "optimistisch", dass eine Lösung unter Beteiligung aller Betroffenen gefunden werden könne. Die Lage um Kvaerner wurde von Beobachtern in der norwegischen Hauptstadt als undurchsichtig bis chaotisch eingestuft.

Der Handel mit Aktien des zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen praktisch vor der Zahlungsunfähigkeit stehenden Unternehmens wurde an der Osloer Börse ausgesetzt. Gleichzeitig veröffentlichte Kvaerner überraschend eine Zwischenbilanz nach den ersten drei Quartalen mit negativen Wertberichtigungen über 3,3 Mrd. NOK (810 Mill. DM/410 Mill. ?).

Der russische Öl- und Gaskonzern Yukos Oil hatte dem seit Jahren angeschlagenen Kvaerner-Konzern am Wochenende dringend benötigtes Kapital zur Sicherung der kurzfristigen Liquidität angeboten. Es wurden dafür ebenso wenig öffentlich Einzelheiten oder Bedingungen bekannt wie bei einem bereits vorher von der Unternehmensführung zurückgewiesenen Angebot des norwegischen Konkurrenten Aker Maritime.

Yukos wollte auch die Kaufsumme von 100 Mill. $ (218 Mill. DM/111 Mill. €) für zwei übernommene Kvaerner-Töchter "so schnell wie möglich" nach Norwegen überweisen. Yukos war in den vergangenen Wochen durch die schrittweise Übernahme von Aktien mit knapp 25 % zum größten Einzelaktionär bei Kvaerner geworden. Die Aker-Gruppe mit dem Industriellen Kjell Inge Rökke als Hauptinhaber verfügt über knapp 18 % der Kvaerner-Anteile.

Lukrative Gas- und Ölförderausrüstung im Visier

Beobachter in Oslo sahen am Wochenende als wahrscheinlich an, dass diese beiden um die lukrativsten Kvaerner-Aktivitäten als Ausrüster bei der Gas- und Ölförderung auf See konkurrieren und den Rest veräußern wollen.

Dazu gehören auch mehrere Werft-Beteiligungen wie die Rostocker Tochter, die bereits seit längerem zum Verkauf steht. Als Hindernis für eine Veräußerung galten dabei vor allem Produktionsbegrenzungen durch die EU, die in der letzten Woche gelockert wurden. In Rostock- Warnemünde wollten sich weder Vertreter der örtlichen Geschäftsleitung noch der Betriebsrat über eine mögliche Zukunft unter dem Dach des russischen Yukos-Konzerns äußern. Die finnische Tochterwerft Masa Yards weigerte sich in der letzten Woche, Zahlungen über 1 Mrd. NOK für ein gerade abgeliefertes Kreuzfahrtschiff an die Kvaerner-Zentrale zu überweisen.

Als Hintergrund für die Krise gilt die ausschließlich durch Kredite finanzierte Übernahme des britischen Anlagenbauers Trafalgar House durch Kvaerner Mitte der 90er Jahre. Die norwegische Regierung hat bisher alle Bitten um staatliche Rettungsaktionen zurückgewiesen.

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