Überraschende Entscheidung
Salt Lake: Korruptionsskandal hat Nachspiel

Der Korruptionsskandal um die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City wird nun doch ein juristisches Nachspiel haben. Das US-Bundesgericht in Denver hat am Dienstag (Ortszeit) die Wiederaufnahme der vor 17 Monaten fallen gelassenen Anklage-Verfahren gegen Tom Welch und Dave Johnson angeordnet.

HB/dpa SALT LAKE CITY. Den Chefs des Bewerbungskomitees (SLBC) der Winterspiele war vorgeworfen worden, Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im mit mehr als einer Million Dollar für Stipendien, Geschenke und Bargeld bestochen zu haben. Das IOC hatte das bedeutendste Wintersportfest 1995 an Salt Lake City vergeben. Der Skandal hatte zehn IOC-Mitgliedern das Amt gekostet.

Knapp drei Jahre nach Bekanntwerden der Bestechungsaffäre hatte im November 2001 das Bezirksgericht in Salt Lake City auch die letzten elf von 15 Anklagepunkte gegen den einstigen SLBC-Präsident Welch und seinem Stellvertreter Johnson fallen gelassen. Der 58-jährige Welch war bereits 1997 von seiner Funktion aus privaten Gründen zurückgetreten, noch bevor der Skandal am 11. Dezember 1998 auf der IOC-Exekutivtagung in Lausanne öffentlich gemacht worden war. Der 14 Jahre jüngere Johnson schied zwei Jahre später als Folge der Korruptionsaffäre aus.

Nachdem das Bezirksgericht in Salt Lake City bereits im Juli 2001, ein Jahr nach der Anklage-Erhebung, die vier entscheidenden Anklagepunkte wegen Bestechung verworfen hatte, ließen sich nach Auffassung von Richter David Sam nach auch die restlichen Anschuldigungen nicht mehr aufrechterhalten. Welch und Johnson wurden auch Verschwörung zum Betrug, grenzüberschreitende Nötigung und das Fälschen von öffentlich verfügbaren Dokumenten zur Beseitigung von Spuren vorgeworfen. Außerdem hatten die 19-monatigen Ermittlungen einer unabhängigen Untersuchungskommission ergeben, dass sie sich an den Einnahmen des Bewerbungskomitees "mit 130 000 Dollar persönlich bereichert" hätten.

Der ursprünglich angestrebte Prozess gegen Welch und Johnson, die sich vor einem US-Bundesgericht in Utah für nicht schuldig bekannt hatten, sollte am 16. Oktober 2000 beginnen. Ihren Rechtsanwälten gelang es jedoch, den Auftakt erst auf den 1. Juni, dann auf den 16. Juli und schließlich auf den 30. Juli 2001 zu verschieben. Nachdem auch dieser Termin nicht eingehalten wurde, war der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Im Fall von Schuldsprüchen drohten Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren und Geldbußen von 250 000 Dollar.

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