Überraschender Besuch
Erstmals Präsidentenpalast in Irak inspiziert

Uno-Waffeninspektoren haben am Dienstag erstmals einen Palast des irakischen Präsidenten Saddam Hussein kontrolliert. Damit wurde Iraks Kooperationsbereitschaft auf die bislang härteste Probe gestellt.

Reuters BAGDAD. Bei früheren Inspektionen war ihnen der Zutritt zu den Palästen verwehrt worden. US-Präsident George W. Bush äußerte am Montag Zweifel an der Bereitschaft Iraks zur Zusammenarbeit mit den Inspektoren. Russland zeigte sich dagegen optimistisch über den Verlauf der Kontrollen, die vergangene Woche nach vierjähriger Unterbrechung wieder aufgenommen worden waren. Für Samstag kündigte Irak eine Erklärung über sein Waffenprogramm an, für die es nach den Uno-Vorgaben bis Sonntag Zeit hat.

Mehrere Uno-Wagen fuhren in Begleitung irakischer Vertreter zum El-Sodschud-Palast im Bezirk Karch im Zentrum der Hauptstadt Bagdad. Dort warteten sie einige Minuten, bis Wachposten ein Tor öffneten und sie über eine von Palmen gesäumte Straße auf das weitläufige Gelände fahren ließen. Weitere Inspektoren gelangten durch andere Tore auf das Palastgelände. Nach einer Stunde und 45 Minuten verließen die Inspektoren das Gelände wieder, ohne sich vor den Journalisten zu äußern. Diese durften danach einen kurzen Blick auf das Gelände und den Innenhof des luxuriösen Palastes werfen.

Bei ihren Kontrollen nach dem Ende des Golf-Krieges 1991 war den Uno-Inspektoren der Zutritt zu den Präsidentenpalästen verwehrt worden. 1998 verließen die Inspektoren Irak, weil sie in ihrer Arbeit behindert worden seien. In der im Oktober verabschiedeten Resolution des Uno-Sicherheitsrates wird ein ungehinderter Zugang zu den Palästen verlangt.

Am Montag hatten die Inspektoren einen Militärkomplex untersucht und festgestellt, dass Ausrüstungsgegenstände fehlten, die bei einer früheren Kontrolle 1998 markiert worden waren. Es war das erste Problem dieser Art seit Beginn der neuen Inspektionen am 27. November. Beweise für atomare, biologische und chemische Waffen wurden bislang nicht gefunden.

Aus Kreisen der Inspektoren verlautete zudem, Irak habe nach Ankunft der Inspektoren zugegeben, dass es unter Umgehung der Uno-Sanktionen versucht habe, Aluminium-Röhren für Granatwerfer zu bekommen. Dies sei aber nicht gelungen. Nach irakischer Darstellung seien die Röhren aber nicht, wie von amerikanischen und britischen Experten vermutet, für Atomwaffen gedacht gewesen.

Bush bezweifelt Iraks Kooperationsbereitschaft

Bush hatte am Montag vor ranghohen Militärs im US-Verteidigungsministerium gesagt, jede Verzögerung oder Ablenkungsversuche von Seiten Iraks beweise, dass Saddam den Weg des Friedens ablehne. Die USA beobachteten genau, ob er sein Verhalten geändert habe und freiwillig kooperieren wolle. "Bislang sind die Anzeichen nicht ermutigend."

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz drohte Präsident Saddam, er werde gestürzt, sollte er die Forderungen der Uno nicht erfüllen. "Unsere einzige Hoffnung, das Problem friedlich zu lösen, ist es, Saddam zu überzeugen, dass ... es das Ende seines Regimes bedeutet, wenn er nicht kooperiert." Ein Krieg sei vermeidbar, Saddam Hussein müsse aber weiter gehen als jemals zuvor. Ziel der USA sei die Beseitigung irakischer Massenvernichtungswaffen. "Friedlich, wenn möglich, freiwillig, wenn möglich, mit Gewalt, wenn nötig."

Anders als die US-Politiker sagte der stellvertretende russische Außenminister Juri Fedotow am Dienstag, die Inspektoren hätten bislang keine Schwierigkeiten bei ihrer Arbeit gehabt. Dies gebe Anlass zu Optimismus.

Die Uno hat Irak eine Frist bis Sonntag gesetzt, um eine genaue Aufstellung über das Waffen- und Raketenprogramm des Landes zu bekommen. Die von Irak angekündigte Erklärung enthalte "neue Elemente", aber nicht notwendigerweise Angaben zu Massenvernichtungswaffen, sagte der Chef des irakischen Verbindungsbüros für die Uno-Kontrollen, Hussam Mohammed Amin. Irak sei frei von Massenvernichtungswaffen.

In den Grenzgewässern zwischen Irak und Kuwait kam es am Dienstag zu einem Zwischenfall. Ein irakisches Schiff habe auf zwei Boote der kuwaitischen Küstenwache geschossen, teilte Kuwaits Innenministerium mit. Die beiden Boote seien daraufhin kollidiert, eine Person sei dabei verletzt worden. Wie Kuwait auf den Zwischenfall regieren wird, wurde nicht mitgeteilt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%