Überraschender Titelgewinn
Pinguine stürzen die Haie vom Thron

Die Krefeld Pinguine haben das Herzschlagfinale um die 83. deutsche Meisterschaft gewonnen und sich den ersten Titel seit 51 Jahren geschnappt. Im fünften Playoff-Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) landete die Mannschaft des vierfachen Stanleycupsieger Butch Goring am Sonntag mit dem 3:1 (0:0, 0:1, 3:0) bei Titelverteidiger Kölner Haie den entscheidenden dritten Sieg in der "Best of Five"-Serie. Günter Oswald, Christoph Brandner und Steffen Ziesche machten den überraschende Titelgewinn des Vorrunden- Sechsten und den größten Triumph in der 67-jährigen Vereinsgeschichte perfekt.

HB/dpa KÖLN. Der Krefelder Coach riss auf der Trainerbank jubeln die Arme hoch, auf dem Eis fielen sich die Spieler um den Hals. "Das ist ein unglaublicher Tag. Wir hatten ein wenig Glück, aber verdient gewonnen", sagte Goring, ehe er eine Sektdusche über sich ergehen lassen musste. "Brutal, Wahnsinn, unglaublich", schrie Andreas Rauball in die Mikrofone. "Ich kann es noch nicht fassen. Ich bin platt", erklärte Torhüter Robert Müller, "leider habe ich mich am Knie verletzt, aber ich denke, die Weltmeisterschaft ist nicht in Gefahr." Christoph Ehrhoff, der den Club verlässt, sagte: "Ich werde versuchen, den Pokal mit ins Bett zu nehmen."

Bundestrainer Hans Zach, der seinem Krefelder Kollegen unmittelbar nach Spielende gratulierte, reagierte gefasst auf die Niederlage. "Krefeld ist ein großartiges Team und ein würdiger Meister", sagte der Haie-Coach, "wir haben alles versucht und alles gegeben, aber am Ende fehlte uns die Kraft. Aber Hut ab vor meiner Mannschaft."

Kölnarena war ein Tollhaus

Als DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke den Meisterpokal an Krefelds Kapitän Gary Shuchuk überreichte, verwandelten die rund 5000 Fans der Pinguine die mit 18 600 Zuschauern ausverkaufte Kölnarena in ein Tollhaus, während die Kölner Spieler nach dem geplatzten Traum vom neunten Meistertitel wie begossene Pudel übers Eis schlichen. Zach, der zuletzt 1993 mit der Düsseldorfer EG Meister war, muss weiter auf einen vierten Titel warten. "Ich habe schon viele Mannschaften trainert, aber noch nie eine mit einem solchen Teamgeist", meinte der Bundestrainer, der bei der WM-Generalprobe gegen Weißrussland am Mittwoch in Berlin das Kommando bei der Nationalmannschaft übernimmt.

Mit dem 3:2 am Samstag in Krefeld hatte Köln nach einem 0:2- Rückstand in der Finalserie das "Endspiel" in Köln erzwungen, doch Krefelds Torschützen Oswald (42. Minute), Brandner (44.) und Ziesche (60.) machten Kölns Hoffnungen zunichte und holten nach 1951 und 1952 zum dritten Mal die Meisterschaft an den Niederrhein. Tim Leahy (38.) hatte Köln in Führung geschossen.

Im ausgeglichenen ersten Drittel sorgte Schiedsrichter Gerhard Müller aus Schierke für den einzigen Höhepunkt, als er Haie-Stürmer Dave McLlwain nach sechs Minuten vorzeitig zum Duschen schickte. Der Referee ahndete einen harmlosen Stockstich des Kanadiers gegen Krefelds Kapitän Gary Shuchuk zum Ärger von Zach mit einer Spieldauerstrafe.

Paukenschlag im Schlussdrittel

"Haie, macht das Wunder komplett", forderten die Fans auf einem Transparent. Doch erst in der 38. Minute des von gegenseitigem Respekt geprägten Duells brach Leahy im Powerplay den Bann, als er nach einem Pfostenschuss von Kai Hospelt zur Kölner Führung abstaubte. Mit einem Paukenschlag nach nur 76 Sekunden im Schlussdrittel eröffnete Oswald mit seinem ersten Playoff-Tor Krefelds Aufholjagd, und der Österreicher Brandner mit seinem neunten Playoff-Tor legte zwei Minuten später mit dem 2:1 nach.

Am Samstag hatten die Kölner mit dem 3:2-Erfolg in der Verlängerung, in der Nationalspieler Lüdemann nach nur 35 Sekunden das "goldene Tor" erzielte, Krefelds zweiten "Matchball" abgewehrt und ein fünftes Spiel erzwungen. Für Aufregung sorgte Schiedsrichter Harald Deubert aus Bad Kissingen, der ein reguläres Tor des Kölners Shane Peacock nach Ansicht der Fernsehbilder wegen angeblichen Torraumabseits nicht anerkannte.

"Es kann nicht sein, dass ein Schiedsrichter den Videobeweis bemüht und dabei von Krefelder Offiziellen mit KEV-Schal umringt wird", sagte Zach und forderte von der DEL eine Änderung des Videobeweis und den Einsatz eines Videorichters nach dem Vorbild der nordamerikanischen Profiliga NHL.

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