Überraschendes Treffen mit katholischem Erzbischof
Clinton setzt sich in Vietnam für mehr private Freiheit ein

dpa HO-CHI-MINH-STADT. Am letzten Tag seines Staatsbesuches in Vietnam hat US-Präsident Bill Clinton am Sonntag in Ho-Chi-Minh-Stadt mehr Freiheiten für Privatunternehmer gefordert. Außerdem traf er überraschend mit dem katholischen Erzbischof Jean-Baptiste Pham Minh Man zusammen, um seinem Plädoyer für mehr Bürgerrechte und eine freie Religionsausübung in Vietnam Nachdruck zu verleihen.

Das im offiziellen Besuchsprogramm nicht vorgesehene Treffen kam nach Angaben des Weißen Hauses auf Wunsch Clintons zu Stande und fand auf einem Wirtschaftsempfang im Rathaus statt. Der Präsident hatte sich während seines Staatsbesuches mehrmals für Religionsfreiheit und mehr Bürgerrechte in dem kommunistischen Land eingesetzt. Kritiker der kommunistischen Regierung in Hanoi hatten jedoch beklagt, dass er keine Begegnung mit Dissidenten geplant hatte.

Auf dem Empfang sprach Clinton auch mit dem Bürgermeister von Ho- Chi-Minh-Stadt, Huo Viet Thanh, einem früheren Bataillonskommandeur der nordvietnamesischen Armee im Vietnamkrieg. Ho-Chi-Minh-Stadt hieß bis 1976 Saigon und war von 1954 bis 1976 Hauptstadt der damaligen Republik Südvietnam.

In einer Rede vor Unternehmern plädierte Clinton für eine schnelle Verwirklichung des Handelsvertrages zwischen den beiden Ländern. "Die damit verbundenen Veränderungen sollten begrüßt und nicht gefürchtet werden", sagte er in seiner Ansprache in einem modernen Container- Terminal am Saigon-Fluss. Er kündigte Bürgschaften von 200 Mill. $ zur Förderung amerikanischer Investitionen an.

Es komme darauf an, das "Potenzial unserer Menschen freizusetzen" und ihnen die nötigen Freiheiten zu geben, forderte Clinton. Die Führung Vietnams habe zugegeben, dass die Staatsbetriebe allein nicht genug Stellen für die etwa 1,4 Millionen ehrgeizigen jungen Leute schaffen könnten, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt kämen.

Der Präsident hatte zuvor im Kunstmuseum der Stadt mit einer Gruppe junger Vietnamesen gesprochen. Außerdem startete er eine neue Kampagne der Kinderhilfsorganisation Unicef unter dem Titel "Schutzhelme für Kinder". Zehn Mill. $ sollen helfen, den Unfalltod von jährlich 50 000 jungen Menschen abzuwenden.

Historischer Besuch mit versöhnlichen Tönen

Am Samstag hatte Clinton, der als erster US-Präsident in das wiedervereinigte Land kam, eine Stelle bei Hanoi aufgesucht, an der 1967 ein US-Pilot abgestürzt war. Nach den sterblichen Überresten des Mannes wird jetzt gesucht. Die gemeinsamen Bemühungen der USA und Vietnams, das Schicksal aller Kriegstoten aufzuklären, sei "beispiellos in unserer menschlichen Geschichte", sagte Clinton.

In einer Ausstellung in Hanoi informierte er sich außerdem über die Beseitigung von Minen und scharfer Munition, die 25 Jahre nach dem Ende des Vietnam-Krieges jährlich immer noch etwa 2 000 Vietnamesen das Leben kosten oder die Menschen verstümmeln. Die Serie seiner politischen Gespräche beendete Clinton mit einer Begegnung mit dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Le Kha Phieu.



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