Überraschung auf dem Nürburgring
Räikkönen schneller als Schumacher

Verfolger Kimi Räikkönen hat WM-Spitzenreiter Michael Schumacher beim ersten Kräftemessen auf dem Nürburgring die Show gestohlen.

HB/dpa NÜRBURGRING. Für die Überraschung vor dem Großen Preis von Europa am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) sorgten allerdings BMW und Williams mit der frühzeitigen Verlängerung ihrer Zusammenarbeit bis ins Jahr 2009. Nach der Unterzeichnung des komplizierten Vertragswerkes am Freitag frohlockte Teamchef Frank Williams: "Diese Partnerschaft wird reiche Früchte tragen."

Auf der 5,148 Kilometer langen Traditionsstrecke in der Eifel gab allerdings Räikkönen im modifizierten Vorjahres-Silberpfeil sportlich den Ton an. Der junge Finne war immerhin 0,364 Sekunden schneller als Rekordjäger Schumacher im neuen Ferrari. "Eigentlich brauchen wir keinen neuen Wagen, denn wir sind auch so schnell genug", scherzte er. Doch auch der dreimalige Nürburgring-Sieger Schumacher war nicht besonders traurig: "Alles in allem bin ich glücklich mit dem Resultat. Es war eine gute Runde, die Zeit ist auch nicht schlecht. Wir können also optimistisch sein."

BMW-Williams belegte am Tag der Einigung die Plätze drei und vier durch Monaco-Sieger Juan Pablo Montoya (Kolumbien) und Ralf Schumacher. "Das war so weit in Ordnung, aber es wird ein hartes Wochenende", glaubt der jüngere Schumacher. Als Heinz-Harald Frentzen im Sauber-Petronas auf die Strecke durfte, kam der Regen. Der Mönchengladbacher fuhr auf Platz zehn und war damit schneller als sein Teamkollege Nick Heidfeld auf Rang 13, der mit noch widrigeren Bedingungen zu kämpfen hatte. "Angesichts der Umstände war es nicht schlecht", fand Heidfeld.

BMW hat Williams nicht im Regen stehen lassen. "Die Vertragsverhandlungen haben lange gedauert, aber wir haben uns die Zeit gern genommen und jedes Detail in Ruhe geklärt", sagte BMW Motorsportdirektor - Mario Theissen. Nachdem BMW mehr Einfluss gewonnen hat, wurde der seit 2000 bestehende Vertrag sogar 18 Monate vor Ablauf verlängert. "Als Automobilhersteller verfügen wir über Möglichkeiten, die ein Rennteam gar nicht haben kann, und diese müssen wir gemeinsam nutzen. Umgekehrt geht es darum, das Spezialwissen eines der erfolgreichsten Teams der Formel-1-Geschichte zu unterstützen, auszuschöpfen und perfekt einzubinden", versuchte sich BMW-Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel als Diplomat.

Schumacher, der vor seinem vierten Saisonsieg in Kanada mit seiner Vertragsverlängerung bei Ferrari bis 2006 ebenfalls für eine Überraschung sorgte, hat 54 Zähler auf dem WM-Konto und liegt drei Punkte vor Räikkönen. Die erste Qualifikation nach neuem Modus auf dem Nürburgring beobachteten die vielen Schumi-Fans mit Argusaugen. Auch die neue WM-Wertung sorgt für Dramatik. Nach alter Rechnung hätte Schumacher nach den acht Rennen schon einen Vorsprung von neun Punkten.

Trotz höherer Spannung macht der Negativtrend auch vor dem deutschen Motorsport-Mekka nicht Halt. Zwar strömen auch an diesem Wochenende mehr als 300 000 PS-Fans in die Eifel, um Schumacher zu huldigen. Mit 30 000 Zuschauern weniger als im vergangenen Rekordjahr, als noch 350 000 Fans kamen, rechnet Ring-Chef Walter Kafitz. Froh wäre er, wenn in der aktuellen Bilanz eine "schwarze Null" stehen würde und der 2004 auslaufende Vertrag mit Bernie Ecclestone verlängert wird. Die Strecke ist schließlich der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gegend. Allein an diesem Wochenende werden 70 Mill. ? bei einem Gewinn zwischen zehn und 15 Mill. ? umgesetzt.

Den bisherigen Boom hat vor allem Schumacher durch seine Rekordjagd ausgelöst. Ein Zähler fehlt dem 34 Jahre alten Kerpener noch, um sich in seinem 13. Formel-1-Jahr als erster Pilot 1000 WM- Zähler gut schreiben und seinen 50. Ferrari-Sieg feiern zu können. Doch statt über die Rekorde spricht der dreimalige Nürburgring- Gewinner lieber über Jean Todt. Seinen Teamchef, der an diesem Wochenende sein zehnjähriges Jubiläum in Ferrari-Diensten feiert, lobte der fünfmalige Weltmeister in den höchsten Tönen: "Es ist offensichtlich, was Todt für das Team geleistet hat."

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