Überraschung in Osaka
Florian Wanner ist Judo-Weltmeister

Der 25 Jahre alte Florian Wanner ist in Osaka Hudo-Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm geworden. Er schlug im Finale nach 73 Sekunden seinen für die Schweiz kämpfenden Clubkameraden Sergei Aschwanden durch einen Konterwurf.

HB OSAKA. Beim Deutschen Judo-Bund (DJB) hatte niemand mit einem Titel bei der Weltmeisterschaft in Japan gerechnet. Doch Florian Wanner vom TSV München-Großhadern gelang am Freitag in Osaka die große Überraschung. Der 25 Jahre alte Student gewann das Finale in der Gewichtsklasse bis 81 kg. Anna von Harnier (Böblingen) bis 63 kg und Annett Böhm (Potsdam) bis 70 kg steuerten zwei Bronzemedaillen zum erfolgreichen zweiten Wettkampftag bei.

"Bei Florian hat heute alles gepasst. Für den DJB ein großer Tag. Ich bin überwältigt", sagte Bundestrainer Frank Wieneke und hätte die "ganze Welt" umarmen können. Dabei kullerten dem Olympiasieger von 1984 die Freudentränen nur so über die Wangen. Nach Udo Quellmalz, der 1995 Weltmeister geworden war, gab es erstmals wieder einen internationalen Titel für einen deutschen Athleten. "Dieses Gold ist der absolute Hammer. Ich kann es noch gar nicht fassen", freute sich DJB-Präsident Horst Frese (Wuppertal) über Wanners Sieg.

Wanner wartete bei diesem WM-Turnier mit einer konzentrierten Leistung auf. In der Vorrunde konnte er den Vize-Weltmeister Alexei Budolin (Estland) ausschalten, beim Kampf um den Eintritt ins Finale schlug er trotz eines Rückstandes zum Entsetzen der Japaner Lokalmatador Yoshihiro Akiyama in der Schlussminute entscheidend.

Auch die Frauen waren erfolgreich

Das große Selbstvertrauen hatte sich der neue Weltmeister bei der Europameisterschaft im Mai dieses Jahres in Düsseldorf geholt. Ein dritter Platz war für ihn stets Ansporn in der monatelangen Vorbereitung. "Ich kann es überhaupt nicht fassen. Ein toller Tag und ein Superding. Ich kann diesen Erfolg noch gar nicht realisieren. In Japan zu kämpfen und zu siegen, das ist ein Traum", jubelte der Münchner. Er geht nun als Mitfavorit zu den Olympischen Spielen nach Athen. Für war dieser Titel der Lohn für seine intensive Arbeit in den vergangenen Jahren, in denen er auch harter Kritik wegen fehlender Erfolge ausgesetzt war. Seine Position ist durch diesen Sieg von Wanner wieder gestärkt.

Auch die Frauen-Staffel des DJB war erfolgreich. Anna von Harnier konnte sich bis 63 kg durch einen Sieg im "kleinen Finale" gegen Bok- Hee Lee (Südkorea) in der Verlängerung durchsetzen und den dritten Platz erringen. Sie war zuvor an Ex-Weltmeisterin Driulis Gonzalez (Kuba) gescheitert. Für ihre guten Leistungen in der Vorrunde wurde auch Annett Böhm (Potsdam) belohnt. Durch einen Erfolg über Cecilia Blanco (Spanien) erreichte die Sportstudentin den Kampf um die Bronzemedaille. Zu dieser Auseinandersetzung konnte Kate Howey (Großbritannien) wegen einer Knieverletzung nicht antreten, so dass Annett Böhm kampflos auf das Siegertreppchen kam.

Florian Wanner, Annett Böhm und Anna von Harnier sicherten sich mit ihren Medaillen auch die Teilnahme am Olympia-Turnier. Gerhard Dempf (München-Großhadern) schaffte dies nicht. Er schied in der Vorrunde der Klasse bis 90 kg vorzeitig aus. Die drei anderen WM- Titel errangen bei den Männern Hee-Tae Hwang (Südkorea) bis 90 kg und bei den Frauen bis 63 kg Daniela Krukower (Argentinien) und Masae Ueno (Japan) bis 70 kg. Gastgeber Japan ist mit vier Goldmedaillen die bisher erfolgreichste Nation bei dieser WM.

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