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Überschätzes Duell

Von Albrecht Prinz Croy Nun also 1 x 2+4 statt 2 x 2+2. Satisfaktion im Zeitalter der Medienwahrheiten. Schröder und Merkel stellen sich einmal (am 4. September) vier Moderatoren und nicht zweimal Zweien. So what? War dass das ganze Gezerre wert?

Von Albrecht Prinz Croy

Nun also 1 x 2+4 statt 2 x 2+2. Satisfaktion im Zeitalter der Medienwahrheiten. Schröder und Merkel stellen sich einmal (am 4. September) vier Moderatoren und nicht zweimal Zweien. So what? War dass das ganze Gezerre wert? Dafür das pseudowichtige Getue um die mediale Strahlkraft des Kanzlers und die verkrampfte, möglicherweise wahlentscheidene Wirkung der Herausforderin. Ein Stellvertretergefecht, nichts als Ablenkung.

Der Kanzler braucht kein zweites oder zehntes Duell, um seine Überlegenheit im Fersehen zu dokumentieren. Er wird andere Podien finden, siehe Christiansen am vergangenen Sonntag. Er degradiert zu Stichwortgebern oder Mikrofonhaltern, egal ob es hochoffiziell wie im Staatsfernsehen zugeht (am 4. September schalten sich vier Sender für 90 Minuten zusammen) oder er vor den Türen seines Amtes befragt wird. Und Angela Merkel wird auch ohne ein Fernsehstudio immer nervöser. Um haarsträubende Fehler zu provozieren, muss man sie nicht mit einem Medienprofi zusammenspannen. Brutto und Netto verwechseln kommt in den besten Familien vor (liebe feixende SPD: Ihr hattet Euren Scharping). Die wirkliche Frage ist eine andere: wie entscheidend ist eine solche Mammutveranstaltung für die Wahlentscheidung?

Kann ein Kanzler, der sieben Jahre Zeit hatte, in neunzig Minuten alles wieder wett machen, was er versäumt hat? Kann eine Kandidatin, die Monate mit widerspenstigen Ministerpräsidenten zugebracht hat, in eineinhalb Stunden zur umumschränkten Herrscherin mutieren? Und können die Wähler vor dem Schirm der Versuchung widerstehen, sich einwickeln zu lassen?

Der in zwei Fernsehduellen unterlegene Jürgen Rüttgers studierte nach dem letzten die Blitzumfragen in einem Lokal umringt von Helfern. "Das Rennen ist gelaufen"! Vier Tage später war er überwältigend klar zum Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Soviel zur Wirkung des Spektakels!

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