Überschuldung wurde am 30. Oktober festgestellt
Biodata beantragt Insolvenz

Das Amtsgericht in Korbach hat am Dienstag ein vorläufiges Insolvenzverfahren über den IT-Sicherheitsspezialisten Biodata eröffnet.

Reuters LICHTENFELS. Das Gericht teilte mit, zum vorläufigen Insolvenzverwalter sei der Anwalt Fritz Westhelle bestellt worden, der bereits Gespräche mit Biodata über das weitere Vorgehen aufgenommen habe. Damit wurde erstmals über ein Unternehmen aus dem Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes ein derartiges Verfahren eröffnet. Biodata hatte am Morgen mitgeteilt, wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit den Antrag auf Insolvenz gestellt zu haben. An der Börse sank der Kurs der ohnehin stark abgewerteten Biodata-Aktie zeitweise um rund ein Fünftel.

Die Überschuldung von Biodata war bei einer Sonderprüfung von Wirtschaftsprüfern bereits am 30. Oktober festgestellt worden. Der anfallende Wertberichtigungsbedarf war von diesen auf mehr als 40 Mill. Euro beziffert worden. Biodata befindet sich seitdem nach eigenen Angaben in außergerichtlichen Vergleichsverfahren mit den Gläubigern. Auch würden intensive Gespräche mit verschiedenen potenziellen Investoren und Kreditgebern geführt, sagte Firmensprecher Heiko Scholz. Zum genauen Stand der Verhandlungen und zu den Verhandlungspartnern machte er keine Angaben. Auch zu möglichen Sanierungskonzepten wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Nach Einschätzung von Activest-Fondsmanager Stefan Müller ist eine Auffanglösung bei Biodata vorstellbar. "Das Produktportfolio ist durchaus attraktiv. Der Markt für Sicherheitslösungen kann gewinnen, speziell nach den jüngsten Ereignissen," sagte Müller. Eine Alternative zur Auffanglösung sei die Auflösung des Unternehmens. Zwei Analysten äußerten sich skeptisch zu einer möglichen Rettung von Biodata. Realistischer sei eine Zerschlagung, sagten sie.

Bereits Anfang Oktober hatte der auf den IT-Sicherheitsmarkt spezialisierte Dienstleister angekündigt, seine Umsatz- und Ertragsziele für das dritte Quartal und das Gesamtjahr deutlich zu verfehlen. Der Jahresumsatz 2001 werde wahrscheinlich auf Vorjahreshöhe bei 23,5 Mill. Euro statt wie ursprünglich erwartet bei mindestens 62 Mill. Euro liegen, hieß es. Gleichzeitig hatte Biodata mitgeteilt, dass ein im August 2000 bekannt gegebener Auftrag für 20 Mill. Euro pro Jahr nicht zu Stande gekommen sei. Vorstandschef Tan Siekmann legte damals angesichts der verfehlten Prognosen sein Amt nieder.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte nach eigenen Angaben am vergangenen Freitag gegen die ehemaligen Vorstände sowie gegen Mitglieder des Aufsichtsrates von Biodata Strafanzeige beim Landgericht Kassel gestellt. "Die Verunsicherung unter den Aktionären ist groß", sagte DSW-Anwalt Matthias Schröder dazu am Dienstag. Biodata wollte zu dieser Strafanzeige keine Stellungnahme abgeben.

Biodata hatte zuletzt selbst Schadenersatzansprüche gegen die ehemaligen Vorstände Siekmann und Stefan Schraps in Höhe von 4,4 Mill. $ geltend gemacht. Eine Stellungnahme von Schraps und Siekmann war bis Dienstag nicht zu erhalten.

Bislang mussten nach Angaben der Deutschen Börse vier Unternehmen den Neuen Markt wegen Insolvenz verlassen. Zwei weitere Gesellschaften würden aus dem selben Grund im Dezember aus dem Wachstumssegment ausscheiden.

An der Börse gab die Biodata-Aktie zeitweise um rund ein Fünftel auf 0,54 Euro nach. Am frühen Abend wurde die Aktie für 0,58 Euro gehandelt, sie lag damit noch mit 13,4 % im Minus. Im Frühjahr 2000 war die Biodata-Aktie noch zu Preisen von rund 140 Euro gehandelt worden.

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