Überschuss-Beteiligung wird gesenkt
Lebens-Policen weniger wert

Bei den deutschen Lebensversicherungen werden 2002 viele Kunden vermutlich erneut mit einer geringeren Überschussbeteiligung auskommen müssen - dem zweiten Jahr in Folge.

dpa BERLIN. Bei den deutschen Lebensversicherungen werden viele Kunden vermutlich erneut mit einer geringeren Überschussbeteiligung auskommen müssen. Nach einer dpa-Umfrage richten sich auch die Großen der Branche das zweite Jahr in Folge auf eine niedrige Ausschüttung ein. Konkrete Beschlüsse werden aber erst im Herbst erwartet. Derzeit liegt die durchschnittliche Verzinsung knapp über sechs Prozent. Gesetzlich garantiert ist eine Mindestrendite von 3,25 Prozent.

Hintergrund der Probleme ist die Abwärtsentwicklung an den Börsen, unter der auch die Versicherungen zu leiden haben. Zugleich betonten alle befragten Lebensversicherer, dass bei der bevorzugten Altersvorsorge der Deutschen kein Anlass zur Sorge bestehe. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) warnte vor Panikmache. Die Sparbeteiligung - also etwa die Auszahlung im Todesfall - bleibe voll erhalten, sagte Behördensprecher Michael Trommeshauser. "Der Kunde hat überhaupt keine Verluste, sondern nur einen geringeren Gewinn als in Aussicht gestellt."

Im vergangenen Jahr war die Überschussbeteiligung der 123 deutschen Lebensversicherer im Durchschnitt bereits um rund einen Prozentpunkt gekürzt worden. Am Wochenende deutete der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft für 2003 eine Senkung um einen weiteren Punkt an. Die meisten Versicherer würden aber "immer noch eine Fünf vor dem Komma" haben, sagte Verbandspräsident Bernd Michaels der "Bild am Sonntag". Allerdings rechnen Experten damit, dass eine Reihe von kleineren Versicherungen nur den Garantiezins zahlen kann - und auch das nur mit Mühe.

Die Allianz Leben als Marktführer will im Spätherbst entscheiden, ob die Gewinnbeteiligung nochmals gesenkt wird. Das Unternehmen hatte für 2002 erstmals seit sieben Jahren die Gesamtverzinsung der Beiträge von 7,5 Prozent auf 6,8 Prozent herabgesetzt. Das Debakel an den Börsen treffe die Allianz weniger, weil manche Aktienbestände bereits in den 60er Jahren auf deutlich niedrigerem Kursniveau aufgebaut worden seien, sagte Allianz-Sprecher Eckhard Marten.

Die Hamburg-Mannheimer - Nummer zwei der Branche - will erst gegen Ende des Jahres festlegen, ob es das zweite Jahr in Folge eine niedrigere Überschussbeteiligung gibt. Auch sie hatte ihren Satz von 7,5 auf 6,8 Prozent zurückgenommen. Ein Unternehmenssprecher verwies darauf, dass die Versicherten in ihren laufenden Verträgen die bisher erworbenen Überschussanteile nicht verlieren. Dies gehe in der derzeitigen Diskussion oft unter. Die Debeka Leben (ebenfalls von 7,5 auf 6,8 Prozent) verwies darauf, dass ihr Aktien-Anteil relativ gering sei.

Ähnlich wie bei den anderen Lebensversicherungen hieß es bei der R+V, eine Schieflage könne allenfalls sehr kleinen Unternehmen drohen. "Die Branche insgesamt ist nicht gefährdet", betonte eine Firmensprecherin. Bei der R+V liegt die Überschussbeteiligung derzeit bei 6,15 Prozent (2001: 6,75 Prozent). Die Aachener und Münchner senkte ebenfalls schon - von 7,25 auf 6,3 Prozent. Auf eine neue Prognose legten sich beide Häuser nicht fest.

Die Victoria Leben war mit der Vorhersage für das eigene Haus ebenfalls zurückhaltend. Dort hieß es aber: "Bleibt eine Erholung der Aktienmärkte aus, wird die Höhe der Gewinnbeteiligung in der gesamten Branche überprüft werden müssen." Die Lage an den Aktienmärkten sei "extrem schwierig". Angesichts der Börsenentwicklung wird bei der DBV der bisherige Satz von 6,25 Prozent überprüft. "Wir denken praktisch über eine Senkung nach", bestätigte Firmensprecher Hartmut Gramberg.

Andere Unternehmen wie die Kölner Axa Leben (6,85 Prozent), die Württembergische Leben (6,3%), die Hamburger Iduna Leben (6,25 %), die Deutscher Herold Leben (6,2%) oder die Nürnberger Leben (6,0%) äußerten sich zurückhaltend. Sie verwiesen darauf, dass genauere Aussagen erst im Laufe des Jahres möglich seien. Zugleich betonten alle, dass von einem Vertrauensverlust der Kunden nicht gesprochen werden könne. Beim Finanz-Aufsichtsamt hieß es, wegen der Krise am Kapitalmarkt sei die Lage der Branche sicherlich "nicht rosig". Lebensversicherer dürften aber nur einen Teil ihres Geldes in Aktien anlegen, sagte Behördensprecher Trommeshauser. In Deutschland habe es noch nie einen Konkurs eines Lebensversicherers gegeben.

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