Überschussbeteiligung sinken
Bei Lebensversicherern trennt sich Spreu vom Weizen

5,5 Prozent heißt das Maß der Dinge in der Lebensversicherungs-Branche. Auf einen Wert rund um diese Marke wird Marktführer Allianz Leben am Mittwoch Finanzkreisen zufolge die Überschussbeteiligung senken, die er den Kunden im nächsten Jahr noch versprechen kann - rund 1,3 Prozent weniger als 2002. Viele Versicherer haben nur auf das Zeichen gewartet, bevor sie ihre eigenen Ausschüttungen festlegen.

Reuters STUTTGART. Experten glauben, dass sich nun die Spreu vom Weizen trennen wird. Denn die Börsen-Flaute fordert Tribut. Weniger versprochen haben deutsche Lebensversicherer nach Angaben von Experten noch nie. Ob viele der rund 120 Anbieter der Branche mit dem Konzern aus Stuttgart mithalten können, ist dennoch fraglich. "Das wird die stärkste Überschussbeteiligung im ganzen Markt sein", glaubt Analyst Volker Kudszus von WestLB Panmure. "Wir gehen davon aus, über dem Bundesdurchschnitt zu liegen", gibt sich Allianz-Leben - Sprecher Eckhard Marten noch bescheiden. Die 5,5 Prozent will er weder bestätigen noch dementieren. Aber die fetten Zeiten sind vorbei: Ende der 1990er Jahre hatte die Allianz Leben noch acht Prozent, 2001 noch 7,5 Prozent gezahlt.

In der Branche lag der Durchschnitt 2000 bei 7,2 Prozent, ein Jahr später bei 6,2 Prozent, obwohl die in der Börsenflaute gesunkenen Renditen am Kapitalmarkt das nicht mehr hergaben. Für 2003 glaubt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GdV) branchenweit zwar noch an die Fünf vor dem Komma. Auf jeden Fall liegen die Renditeversprechen in der Branche so weit auseinander wie noch nie. Jetzt räche sich, wenn ein Versicherer zu lange zu viel ausgeschüttet habe, statt Reserven aufzubauen, überwiegt bei der Konkurrenz die Schadenfreude. "Gerade die Lieblinge der Verbraucherschützer müssen am meisten bluten", sagt ein Experte aus der Branche.

Erstmals hat die BAFin nun die Versicherer aufgefordert, ihr die Überschussbeteiligungen zur Kontrolle mitzuteilen. Sie wird als Werbe-Argument verwendet, obwohl die Vermittler den Kunden eigentlich nur die 3,25 Prozent zusagen dürfen, die das Gesetz als Mindestverzinsung auf den etwa 80-prozentigen Sparanteil der Versicherungsprämie vorschreibt. Darüber hinaus gehende Renditen dürfen sie nur in Beispielrechnungen präsentieren.

Auf eben diese 3,25 Prozent hat die Mannheimer in der vergangenen Woche ihre Ausschüttung gesenkt und zugleich den Ausstieg aus dem Geschäft mit lukrativen, aber risikoreicheren kapitalbildenden Policen angekündigt. Der zeitweise Verzicht auf Neugeschäft könnte auch für weitere kapitalschwache Versicherer eine Lösung sein, sagt Manfred Poweleit, Chefredakteur des Branchendienstes "map-report". Eine bittere Entscheidung, zumal das Geschäft mit den gebrannten Kindern des Neuen Marktes boomt: 30 Prozent mehr Neubeiträge vermeldet die Allianz Leben für die ersten zehn Monate 2002. "Es gibt einen hohen Zulauf in die Lebensversicherung", hat auch der GDV festgestellt.

Die Koblenzer Debeka garantiert dagegen auch für 2003 die 6,8 Prozent, die sie 2002 gezahlt hat. Erfolgsrezept ist ein Aktienanteil von unter ein Prozent. "Mit Renten sind wir den Schwankungen des Marktes nicht unterworfen", erläuterte ein Sprecher. Mit den Kapitalanlagen habe die Debeka 2001 noch 6,5 Prozent verdient. Andere lösten Reserven auf.

Die Branche sieht sich mit den reduzierten Versprechen auf dem Pfad der Vernunft. "Wir wollen die Überschussbeteiligung an das heran führen, was wir tatsächlich erwirtschaften", sagt der Allianz-Sprecher. Analyst Kudszus findet das nur konsequent: "Wenn kein Überschuss da ist, ist auch keine Beteiligung darauf zu zahlen." "Der Bodensatz dürfte damit erreicht sein", glaubt auch der GDV. Branchenexperte Poweleit hat daran noch Zweifel: "Ich finde 5,5 Prozent schon mutig." Verdienen ließen sich mehr als fünf Prozent am Kapitalmarkt derzeit kaum. "Das war nur die Ouvertüre. Die Tragödie sehen wir nächstes Jahr", warnt er.

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