Überstürzte Abreise
Irland schickt Superstar Keane nach Hause

Die irische Fußball-Nationalmannschaft scheint sich bereits im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan aller Chancen selbst zu berauben. Acht Tage vor dem WM-Beginn ist bei Deutschlands Vorrunden-Gegner das Chaos ausgebrochen.

HB/sid SAIPAN. Kapitän Roy Keane wurde nach seiner heftigen Kritik an den WM-Vorbereitungen aus dem Trainingslager auf der Pazifikinsel Saipan verbannt und ist bereits am Donnerstag zurück nach Europa geflogen. "Wir werden nur eine Lachnummer abgeben und sollten nicht zu viel erwarten. Ich bin hierher gekommen, um einen guten Job zu machen und ich habe von den Leuten um mich herum dasselbe verlangt. Aber wenn wir nicht alle dasselbe wollen, dann geht es nicht. Ich bin mit meinem Kopf immer wieder gegen Mauern gerannt, wenn es um die Planung der Reise ging. Aber genug ist genug", erklärte Keane vor seiner überstürzten Abreise. Schon zuvor hatte der Spielführer mit seiner Ankündigung, nach der WM nicht mehr für sein Land spielen zu wollen, für Unmut im Lager der Iren gesorgt.

"Das war's für mich. Meine Entscheidung ist gefallen. Das Leben geht weiter", sagte der 30-Jährige zum Ende seiner Nationalmannschafts-Karriere. Bereits am Mittwoch hatte der hochbezahlte Mittelfeldstar von Englands Ex-Meister Manchester United mit seiner Heimreise gedroht, doch Vereinstrainer Alex Ferguson hatte ihn zum Bleiben überredet. "Die Leute hätten gesagt, ich lasse mein Land im Stich", begründete Keane damals seinen Rückzieher. Die neuerliche Kritik Keanes an der WM-Vorbereitung hat nun aber offenbar das Fass beim irischen Verband zum Überlaufen gebracht. "Der Trainingsplatz ist hart wie Stein. Ich bin keine Primadonna, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand verletzt. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, es ist eine Kombination von Dingen. Wir sind nicht gut vorbereitet", lauteten die Vorwürfe des Stars. Britische Wettbüros reagierten sofort und erhöhten die Quote bei einem WM-Titel der Iren von 80:1 auf 100:1.

Trainer Mick McCarthy dagegen erhob schwere Vorwürfe gegen Keane und verteidigte seine Entscheidung. "Er hatte einen zerstörenden Einfluss. Ich habe das Richtige getan, nicht für mich, sondern für das Team. Wenn er öffentlich solche Kritik übt, kommen wir ins Gerede. Ich konnte das nicht tolerieren und habe ihn nach Hause geschickt", sagte McCarthy. Irlands Verbandschef Milo Corcoran erklärte: "Das Ganze geht schon seit einer langen Zeit so. Und nachdem der Fall nun gelöst ist, werden wir einen besseren Mannschaftsgeist haben." Die irische Nationalmannschaft fliegt am Freitag nach Japan und trifft in ihrem ersten Spiel am 1. Juni in Niigata auf Kamerun. Am 5. Juni kommt es in Ibaraki zum Duell mit Deutschland.

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