"Übertreibung nach unten"
Schwaches US-Wachstum hilft Euro

Die Aussicht auf ein Gleichziehen des Euroraums mit der US-Wirtschaft hat die Gemeinschaftswährung zu Wochenbeginn kräftig nach oben gezogen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Euro-Wirtschaft wachse erstmals seit Anfang 1999 wieder stärker als die der USA, sagte ein Händler. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8482 $ fest. Der Dollar kostete am Montag 2,3059 (2,3496) DM.

Der Markt habe erst verspätet die Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt vom Freitag verarbeitet, sagte Devisenhändler Will Rugg von Standard & Poor's. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den USA sank von 5,6 % im zweiten Quartal auf 2,7 % im dritten Quartal. Die Wachstumsraten liegen in Euroland bei rund drei Prozent.

Zusätzlich trieben weiterhin Interventionsgerüchte die europäische Leitwährung an, berichteten Händler. Bis zu den US-Präsidentschaftswahlen am 7. November dürften Interventionen nun aber ausbleiben, nachdem sich auch am Freitag die führenden Notenbanken nicht zu einem solchen Schritt entschlossen hatten.

Noch sei es für eine vollständige Kehrtwende des Euro nach oben zu früh, berichteten Händler. Je schwächer allerdings die US-Wirtschaftsdaten ausfielen, desto besser sei das für die Gemeinschaftswährung.

Die "Übertreibung nach unten" von der Vorwoche sei vorbei, sagte der Analyst einer bayerischen Bank. Bei diesen niedrigen Ständen hätten viele Anleger eine Chance gesehen, in die europäische Währung zu investieren.

Devisenmarktanalysten führten die Aufwärtstendenz des Euro vor allem auf eine solche charttechnische Erholung zurück. "Ich halte das für eine rein charttechnische Reaktion", sagte Sarah Lütgert, Analystin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf. Der Euro-Kurs habe sich bis zum Ende der vergangenen Woche der Marke von 0,8278 $ angenähert. Zurückgerechnet bis zum Jahr 1995 ergebe dieser Kurs eine Zielmarke, ab der es für den Euro wieder aufwärts gehen könne.

Der neuerlich Kursaufschwung sei "vorsichtig positiv" zu bewerten. Die Indikatoren auf dem Devisenmarkt hätten zudem eine überverkaufte Situation für den Euro angezeigt, so dass ein charttechnische Korrektur nun die logische Folge sei. Von fundamentaler Seite hätten sicherlich auch die US-BIP-Daten vom Freitag eine Rolle gespielt. Langfristig bleibe die Stimmung für die europäische Währung aber gedämpft.

Ähnlich äußerte sich ein Experte der Hypo-Vereinsbank in München. Die US-Konjunkturdaten vom Freitag hätten sicherlich ihre Wirkung getan, sagte er. Hinzu käme die "Übertreibung nach unten" der vergangenen Woche beim Kurs der Gemeinschaftswährung.

"Es sieht so aus, als wäre ein Soft-landing der US-Wirtschaft möglich", kommentierte der Analyst einer anderen bayerischen Bank die US-BIP-Zahlen. Diese Aussicht würde den Euro-Kurs stützen. Ein "Hard-landing" kann nach seiner Meinung die weitere europäische Wirtschaftsentwicklung stören. Möglichweise komme es zur Zeit auch zu Portfolio-Umschichtungen zu Gunsten des Euro, fügte der Analyst hinzu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%