Überverkauftheit des Marktes nehme dramatische Züge an
Technische Analysten halten Marktlage für schwierig

Technische Analysten sind sich einig: Die Beurteilung der Lage war selten so schwer wie momentan. Dennoch geben Wieland Staudt von Staudt Research, das Reserach Team der Deutschen Bank und Marcel Mußler von Mußler-Briefe ihre Einschätzung der Marktlage.

vwd DÜSSELDORF. Die Überverkauftheit des Marktes nehme dramatische Züge an, berichten die Analysten. Ein Anstieg über die 4.440-er Marke könne der Startschuss für eine Korrekturbewegung sein. Wenn auf irgendetwas in dieser Welt Verlass sei, dann auf die unerschütterliche Zuversicht, den Mut und den "Jetzt-erst-recht" (Kampf-) Geist der Amerikaner.

Zudem seien die Zinssenkungen gut gewesen, erklärt Wieland Staudt. Die Stimmung sei schlecht - aber das wiederum sei gut. Die "Magic Figures" von 3.000 im Euro Stoxx und 4.000 im Dax haben gehalten. Dies sei ebenso gut wie die Intraday "5" im Aufwärtstrend bzw die positiven Divergenzen wesentlicher Oszillatoren. Das Volumen werde der Bedeutung des Tages gerecht und ebenso die Kursentwicklung wichtiger Aktien wie zum Beispiel der Deutschen Telekom. Auch das sei gut so. Staudt hegt keinen Zweifel: Das, was sich am Montag an den Märkten getan habe, sei analytisch betrachtet über die Kursgewinne hinaus - kurzfristig - einfach gut.

Der Dax kann noch bis auf 3800 Punkte abwärts gehen

Er geht von einer Fortsetzung der Erholung, zum Beispiel bis in Bereiche der Widerstandszonen um 4.400 Punkte im Dax bzw auch darüber aus. Bei aller Freude über die gelungene Wiedereröffnung der US-Börsen wäre es analytisch betrachtet dennoch verfrüht, jetzt bereits von einer grundsätzlichen und nachhaltigen Trendwende zu sprechen, erklärt Staudt weiter. Dafür gebe es momentan kaum Anhaltspunkte. Aber vielleicht ändere sich das ja in den nächsten Tagen. Anleger müssten auch jetzt noch damit rechnen, dass die mittelfristigen Tiefs und damit Kurse unter den am Montag erreichten 3.984 Punkten noch vor uns liegen könnten. Die enorme Volatilität werde dem Markt in nächster Zeit mit einiger Sicherheit erhalten bleiben. Das Marktrisiko gibt der technische Analyst mit 3.800 Punkten an.

Das Research-Team der Deutsche Bank sieht eine völlig intakte Abwärtstendenz, die deutlich an Bewegungsdynamik gewonnen habe. Nach den starken Verlusten sei eine technische Gegenreaktion dennoch durchaus denkbar, erklären die Techniker weiter. Die praktische Handelbarkeit einer solchen Gegenbewegung sei aber eine Sache für sich. Eine hohe Volatilität verlange in der Regel großzügige Stop-Kurse, um nicht zufällig ausgestoppt zu werden. Großzügige Stop-Kurse bürgen aber auch immer die Gefahr in sich, im Falle ihres Erreichens, gleich einen ordentlichen Verlust zu realisieren.

Setze man sich von vornherein ein maximales Verlustpotenzial, könne es in Phasen mit hoher Volatilität sein, daß eine normale Tagesschwankung zum Schließen der Position führe. Bei der Entwicklung systematischer Handelsansätze löse man das Problem damit, daß ab Erreichen eines bestimmten Niveaus der Schwankungsintensität das Regelwerk außer Kraft gesetzt werde und man keine Signale mehr erhalte. Natürlich verfehle man unter Umständen interessante Gewinnchancen, man werde aber auch vor Fehlern und Dummheiten bewahrt. In Phasen wie diesen sei letzteres aber wohl eher wichtiger und wertvoller.

Der Dax durchlaufe derzeit eine Phase, in der von Normalität keine Rede sein könne, befinden die Analysten weiter. Sie sehen Positionierungen zum aktuellen Zeitpunkt mit einem extrem hohen Risiko verbunden. Dennoch, eine Überwindung der 4.441 Dax-Indexpunkte könne der Startschuß in eine technische Korrekturbewegung sein, die durchaus für 400 bis 500 Indexpunkte gut sei. Bedenken sollte der Anleger jedoch immer, dass der übergeordnete Trend unverändert abwärts ausgerichtet sei. Die Bewegungsdynamik auf der Unterseite sei zudem extrem hoch, das Risiko einer kippenden Wall Street ebenso. Die Analysten raten zu dem Schritt, auf eine Korrektur zu setzen.

Überverkauftheit des Marktes nehme dramatische Züge an

Anleger sollten auf kleine Positionsgrößen und großzügige Stop-Kurse achten. Die durchschnittliche, normale Schwankungsbreite des Dax in den letzten Tagen beträgt aktuell immerhin 332 Indexpunkte. Marcel Mußler erklärt, dass die Überverkauftheit des Marktes dramatische Züge annehme. Die Konstellation bei den Indikatoren werde immer abenteuerlicher, was aber durchaus typisch für einen Crash sei. Einerseits habe es der Markt mit immer noch überverkaufteren Oszillatoren auf allen Fristigkeiten zu tun. Andererseits zeigten sich die Trendfolge- und Trendintensitätsparameter weiterhin vollkommen intakt und dynamisch. Bisher habe es sich gemäß der Trendmarktphilosophie als richtig erwiesen, die Oszillatoren argumentativ zurückzudrängen. Die Chance für den Ausverkauf liege in der Unmittelbarkeit, und der Ausverkauf erfolge unmittelbar, sagt Mußler.

Investoren müssten immer wieder bedenken, daß diese Verpflichtung zur Unmittelbarkeit auch weiterhin erhalten bleibe. Der Dax werde die erste Chance zu einer durchgreifenden Erholung nutzen. Er wolle, wenn Amerika ihn nur ließe. Auf jeden Fall werde das Eis für die Bären jetzt trotz der jüngsten Erfolge immer dünner. Allerdings wird auch eine Erholung nicht zu einer nachhaltigen Trendwende von heute auf morgen führen können. Der Trendfolge- und Trendintensitätsbereich sei nicht so leicht umzubiegen. Vielmehr weist Mußler darauf hin, daß um so mehr auf einen Seitwärtsmarkt hindeute, je extremer sich die Indikatorengruppen widersprächen. Ein Seitwärtsmarkt bedeute in diesem Fall die lang erhoffte Bodenbildung.

Und dies deute keineswegs auf bevorstehende Langeweile hin. Denn eine Seitwärtsbewegung oder Bodenbildung werde gerade in diesem Fall von einer wahrscheinlich auch weiterhin sehr hohen Volatilität begleitet sein. Das Momentum auf Tagesbasis habe ein Extremniveau erreicht. Es habe sich sogar regelrecht darin eingenistet. Und je länger das andauere, desto wahrscheinlicher werde eine entlastende Gegenreaktion dabei. Die Chancen für die Bären würden also nicht mehr besser.

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