Überwachung via Internet
Intelligentes Haus für Senioren

Das Seniorenhaus der Zukunft sieht so aus: Es ist voller Kameras und Sensoren. Sie registrieren die Aktivitäten der Bewohner in einem zentralen Computer, und bei Bedarf ertönt über das Internet ein Alarm, zum Beispiel im Haus von Angehörigen, die Tausende von Kilometern entfernt wohnen.

dpa SEATLLE/ATLANTA. Dieses Haus ist keine Utopie, sondern schon jetzt Realität - zumindest in einem Musterhaus des Georgia Institute of Technology, einer technischen Hochschule im US-Bundesstaat Atlanta.

Immer mehr ältere, gebrechliche Menschen und immer weniger Personal, das sich um diese Menschen kümmern kann - das wird nicht nur in Europa zu einem immer größeren Problem. In den USA sind zur Zeit schon 34 Millionen Menschen über 65 Jahre, und in den nächsten Jahrzehnten geht die Riesen-Nachkriegsgeneration der "Baby Boomer" in den Ruhestand, rund 76 Millionen Menschen, die nach 1946 geboren wurden. Viele dieser Menschen werden pflegebedürftig sein. Ihnen könnte mit modernster Technik dennoch ein Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden, sagt die Forscherin Elizabeth Mynatt.

Zusammen mit Kollegen plante und baute Mynatt ein dreistöckiges Musterhaus, das als Forschungslabor dient. "Wir haben vor dem Bau des Hauses durch Umfragen erfahren, dass in 80 Prozent aller Fälle die Heimeinweisung älterer Menschen von deren besorgten Kindern initiiert wurde", sagt Mynatt. Bei der Projektplanung habe man deshalb versucht, auf die Bedürfnisse sowohl der Senioren als auch ihrer Kinder einzugehen.

Diskrete Überwachung im Haus

Alte Menschen können nach den Plänen Mynatts künftig in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, wenn sie sich mit einer diskreten Überwachung abfinden. Das intelligente Haus in Atlanta verfügt zum Beispiel über einen "Aktivitätsmonitor". Wenn die Bewohner Türen öffnen, Kaffee kochen oder ein Bad nehmen, wird dies von der Hauselektronik registriert. Allerdings sind die Kameras und Sensoren bewusst so unscharf eingestellt, dass keine Details aufgenommen werden. Lediglich die Tatsache, dass eine Bewegung in der Küche oder im Bad stattfand, wird vermerkt. Möglich macht das eine Technologie, die eigentlich aus der Roboterentwicklung kommt. Sie versetzt die Computer in die Lage, menschliche Bewegungen auch als Bewegung zu interpretieren und zu verfolgen.

Der Hauscomputer ermittelt schnell ein Profil seiner Bewohner und weiß nach kurzer Lernzeit genau, wie viele Aktivitäten an einem Durchschnittstag üblich sind. "Die Kinder der Senioren können sich dann mit ihrem eigenen Computer in das Haussystem der Eltern einwählen und prüfen, ob es im überwachten Haus ungewöhnlich ruhig zugeht", erklärt Elizabeth Mynatt. Die Ursache könnten ein Sturz und anschließende Bewusstlosigkeit sein. "Wenn der Computer ungewöhnlich große Aktivität registriert, dann könnte das auf ruheloses Herumwandern in der eigenen Wohnung hinweisen, ein typisches Alzheimer-Symptom", sagt Mynatt. Vergessliche Senioren werden auch direkt an begonnene und versehentlich unterbrochene Aktivitäten erinnert.

Eine solche Überwachung ist vielen Menschen unangenehm, das weiß auch Mynatt. Sie hofft aber, dass die im Musterhaus vorgestellten Technologien einen akzeptablen Kompromiss darstellen. Die Forscher gaben sich große Mühe, die Privatsphäre der Bewohner so weit wie möglich zu schützen. Die Kontrolle über die via Internet übermittelten Daten haben immer die Hausbewohner selbst. Sie können ihren Aktivitätsmonitor jederzeit ausschalten. Und wenn er eingeschaltet ist, dann wird ohnehin nur ein abstraktes Symbol übertragen: Auf dem Empfangsbildschirm leuchtet ein Schmetterlings- oder Blumenbild auf, das je nach der gemessenen Aktivität größer oder kleiner wird.

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