Überwachungstechnik, Löschanlagen und Fluchtwege sollen neue Brandkatastrophe verhindern
Montblanc-Tunnel für Pkw geöffnet

Der Montblanc-Tunnel ist wieder für den Pkw-Verkehr geöffnet. Neu installierte Sicherheitstechnik und Fluchtsysteme sollen in Zukunft eine neue Katastrophe verhindern. Vor drei Jahren kamen bei einem Großbrand im Tunnel 39 Menschen ums Leben.

HB DÜSSELDORF. Am 9. März wird der Montblanc-Tunnel - die wichtigste Nord-Süd-Verbindung zwischen Frankreich und Italien - wieder für den Pkw-Verkehr freigegeben. Drei Jahre nach der verheerenden Brandkatastrophe, die durch einen brennenden Lastwagen ausgelöst worden war, gilt der Tunnel nun als sicher. Das erklärte jetzt der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot.

Zunächst sollen nur Personenwagen die 11,6 Kilometer lange Tunnelröhre benutzen dürfen. Der Schwerverkehr, gegen den Gegner des Alpentunnels massiv protestiert haben, soll erst in der zweiten März-Hälfte - wahrscheinlich ab 18. März - wieder zugelassen werden, teilte das französische Verkehrsministerium mit. Ursprünglich war die Neueröffnung für den Februar geplant, doch daraus wurde nichts. Vor wenigen Wochen ist im Tunnel etwa ein halber Kubikmeter Beton der Deckenverkleidung auf die Fahrbahn gestürzt und hatte dabei auch Lampen mitgerissen. Der Vorfall, so wird vermutet, sei durch ein kleines Erdbeben im Montblanc-Massiv mit einer Stärke von 3,2 auf der Richterskala hervorgerufen worden. Die Schäden wurden inzwischen beseitigt.

Der völlig renovierte Tunnel ist jetzt mit einem modernen Sicherheits- und Fluchtsystem ausgestattet, das mehr als 300 Millionen Euro gekostet hat. Eine Reihe von Katastrophenübungen haben gezeigt, dass das neue System nun besser für mögliche Unfälle gerüstet ist. Wie bei dem Unfall selbst wurde dafür beispielsweise der Brand eines Lastwagens - mit nicht-giftigem Rauch - simuliert.

Sensoren warnen vor Rauch und Feuer

Damit sich die Menschen bei einem eventuellen neuen Brand oder sonstigen Katastrophen retten können, sind 37 so genannte Fluchtkammern eingebaut worden. Alle 300 Meter gibt es Zugänge zu diesen Kammern. Sie sind alle untereinander mit einem durchgehenden Rettungsschacht verbunden. Dieser liegt unter der Tunnelröhre, durch die der Verkehr rollt und führt nun bis zum jeweiligen Tunnelausgang.

Es wurden Überwachungssysteme installiert, mit denen Unfälle und Unregelmäßigkeit in der Tunnelröhre schnell entdeckt werden können. Sensoren melden eine Rauch- und Vergiftungsgefahr. Und über Video-Kameras, die in Abständen von 100 Metern montiert worden sind, können Unfälle schnell entdeckt und analysiert werden, so dass gezielte Hilfsmaßnahmen umgehend eingeleitet werden können.

Außerdem wurde ein großer Aufwand getrieben, um im Brandfall Rauchgase und Hitze schnellstmöglich absaugen zu können. Zusätzlich zum Absaugsystem bewegen 76 große Längsventilatoren die Luft im Tunnel in die jeweils gewünschte Richtung. Tests haben inzwischen gezeigt, dass die Anlagen in der Lage sind, die geforderte Leistung der Sicherheits-Ingenieure, innerhalb einer Sekunde 150 Kubikmeter Rauchgase aus dem Tunnel absaugen zu können, sogar noch überbieten.

Neu ist auch eine Druckwasserleitung im Tunnel mit Hydranten in regelmäßigen Abständen für die Feuerbekämpfung. Ebenso wurden drei permanent besetzte Feuerwachen mit je einem hochmodernen Löschfahrzeug installiert, je eine an Tunnel-Anfang und Ende sowie eine dritte in Tunnelmitte. Jedes dieser Fahrzeuge kostet 700 000 Euro. Speziell für den Montblanc-Tunnel wurden außerdem zwei elektrisch betriebene Rettungsfahrzeuge entwickelt, die je fünf verletzte oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen in Sicherheit bringen können.

Tempolimit soll Unfällen vorbeugen

Auch wurde der Verkehr innerhalb des Tunnels neu geregelt: Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 70 km/h beschränkt, und der Mindestabstand zum Vordermann muss mindestens 150 Meter betragen. Gefahrgut-Transporter dürfen in den Tunnel überhaupt nicht mehr einfahren. Dieses Verbot wird durch Kontrollen an den Tunneleingängen überwacht.

74 Ampeln und 40 Schranken innerhalb der Röhre sorgen dafür, dass der Verkehr nicht nur reguliert, sondern auch jederzeit gestoppt werden kann. Alle 600 Meter gibt es variable Schrifttafeln, die Autofahrer mit neuesten Informationen versorgen. Außerdem wurden in Abständen von 600 Metern Notfall-Telefone installiert. Wird ein solches Telefon in Betrieb genommen, schaltet sich in dem betroffenen Tunnelbereich sofort die Überwachungskamera dazu. Gleichzeitig wird das Rauchentfernungssystem in Alarmbereitschaft versetzt.

Die Arbeiten zur Erhöhung der Sicherheit im Montblanc-Tunnel wurden unter Aufsicht des französisch-italienischen "Intergovernmental Control Committee" durchgeführt. Seit Januar sind eine Vielzahl von umfangreichen Tests vorgenommen worden. Sie sind alle erfolgreich verlaufen und wurden jetzt abgeschlossen. Darüber hinaus haben Inspektoren des deutschen Automobilclubs ADAC den sanierten Montblanc-Tunnel auf seine Sicherheit überprüft.

Das Prüfurteil der ADAC-Leute: Die Sanierung sei insgesamt "sehr gut" gelungen. Dennoch wiesen die Experten auch auf kritische Details des Tunnels hin: Für beide Fahrtrichtungen gibt es nach wie vor nur eine Tunnelröhre mit einer Breite von nur sieben Metern, auf der sich zwei Verkehrsrichtungen aneinander vorbeiquetschen. Und für Fußgänger steht im Krisenfall nur ein 80 Zentimeter breiter Gehweg bis zum nächsten Notausgang zur Verfügung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%