Überwiegende Mehrheit war für Schwarz-Gelb
Wirtschaft straft FDP ab

Die knappe Bestätigung der rot-grünen Bundesregierung bei der Wahl am 22. September hat die Erwartungen der Führungskräfte der deutschen Wirtschaft stark enttäuscht. Das belegt der Handelsblatt Business Monitor für Oktober, eine repräsentative Umfrage unter Führungskräften.

HB DÜSSELDORF. Eine überwältigende Mehrheit der Top-Manager hatte einen Regierungswechsel zu Schwarz-Gelb mit Edmund Stoiber als neuem Bundeskanzler erhofft. Nun, vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses und erster Resultate der Koalitionsver-handlungen, benoten die Entscheider insbesondere die Akteure der Regierung schlechter als zuvor. Aber auch die Opposition kommt auf schlechtere Werte als vor der Wahl.

Allein die letztlichen Gewinner - im Regierungslager Joschka Fischer von den Grünen, in Reihen der Opposition die CDU-Vorsitzende und neue Chefin der Unionsfraktion Angela Merkel - schneiden im Urteil der Führungskräfte etwas besser ab als vor der Wahl.

Besonderer Unmut der Manager entlädt sich über die FDP, die mit ihrem mageren Ergebnis den möglichen und von der Wirtschaft klar gewünschten Wechsel vereitelt hat und mit dem Machtkampf zwischen Parteichef Guido Westerwelle und seinem Ex-Vize Jürgen Möllemann Schlagzeilen füllt. Westerwelle und die Liberalen werden mit den für sie bisher schlechtesten Noten abgestraft. Die FDP erhält mit einer Durchschnittsnote von 4,0 (nach 3,2 kurz vor der Wahl) die schlechteste Bewertung seit Beginn der Erhebungen Anfang 1999. Drei Viertel der Top-Manager (ein Plus von 44 Punkten gegenüber dem Vormonat) benoten die Arbeit der Partei als sehr schlecht oder schlecht, berichtet das Handelsblatt.

Hatten die Führungskräfte - trotz nach wie vor überwiegender Kritik - im September die Rolle von Kanzler Gerhard Schröder bei der Bewältigung der Flutkatastrophe durchaus noch gewürdigt (Durchschnittsnote von 3,3 auf der Skala von 1 = sehr gut bis 5), so gehen sie im Oktober deutlicher auf Distanz zum alten und neuen Regierungschef: Die ungünstigen Urteile "schlecht" oder "sehr schlecht" nehmen von 43 auf 56 Prozent zu. Dabei hatten die Top-Manager insbesondere die schlechteste Note "5" mit 19 Prozent für Schröder während der gesamten vorigen Legislaturperiode nie so häufig vergeben wie derzeit.

Rückendeckung erhält Schröder von der deutschen Wirtschaft allerdings für seine Außen- und Irakpolitik: 73 Prozent der Top-Manager plädieren dafür, dass Deutschland kein weiteres militärische Engagement gleich mit welcher Legitimation in den verschiedenen Krisenregionen der Welt eingehen sollte. 13 Prozent treten sogar dafür ein, die Bundesrepublik möge sich stärker zurückhalten. Für eine Ausweitung von Bundeswehreinsätzen, etwa im Rahmen einer Militäreinsatzes gegen das irakische Regime, sprechen sich in den Führungsetagen der Unternehmen nur 11 Prozent aus.

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