Überzeugende Strategie fehlt nach wie vor
Yahoos Service-Kooperationen bringen erste Erfolge

Gemessen am Aktienkurs hat Terry Semel das erste Jahr als Chef des Internetportals Yahoo Inc. nicht gerade mit Bestnoten abgeschlossen: Der Preis für die Papiere fiel in dieser Zeit von 22 $ auf 10 $.

siri SAN FRANCISCO. Immerhin hat der 59-jährige Hollywood-Veteran die angeschlagene Firma aus den roten Zahlen gebracht. Im gerade abgelaufenen dritten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 50 % auf 248 Mill. $ - ein Zeichen dafür, das Semels Suche nach neuen Umsatzquellen erste Erfolge zeitigt. Doch die Bilanz zeigt auch: Dies sind nur Etappensiege, Analysten und Investoren warten nach wie vor auf den großen Durchbruch.

Seit klar ist, dass das werbefinanzierte Geschäftsmodell mangels zahlungskräftiger Kunden überholt ist, suchen Yahoo und die Konkurrenten AOL und MSN fieberhaft nach neuen Umsatzquellen. Doch kostenpflichtige Inhalte und Dienste werden von der jahrelang mit Gratisangeboten verwöhnten Internetklientel nur zögernd angenommen. Einzig bei Stellen- und Kontaktanzeigen sitzen die Portemonnaies der Kunden lockerer.

Zumindest bei Yahoo brachten auch Kooperationen mit Dienstleistern in diesem Jahr erste Erfolge: Die Erlöse aus den Kooperationen mit der Marketinggesellschaft Overture, deren Kunden für prominente Plätze auf den Yahoo-Seiten zahlen, machten Umsatzausfälle bei den klassischen Werbekunden teilweise wieder wett.

22 Prozent mehr Umsatz bei Werbeeinnahmen

So erwirtschaftete Yahoo im abgelaufenen Quartal Marketing- und Werbeeinnahmen in Höhe von 147,4 Mill. $ - das ist ein Plus von 22 % im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen aus dem kalifornischen Sunnyvale einen Nettogewinn von 28,9 Mill. $ oder 5 Cents pro Aktie. Analysten hatten mit einem Gewinn von 4 Cents je Aktie gerechnet. Im Vorjahreszeitraum hatte unter dem Strich ein Verlust von 24,1 Mill. $ gestanden. Doch die Marktbeobachter warten immer noch auf eine übergreifende Strategie.

Wie die Konkurrenten MSN und AOL setzt auch Yahoo auf den superschnellen Zugang ins weltweite Netz über das Breitbandkabel als nächsten Wachstumsbringer. Das Unternehmen hat eine Kooperation mit der Telekomfirma SBC Communications abgeschlossen, um den schnellen Zugang anbieten zu können. MSN arbeitet mit dem Verizon zusammen. Beide offerieren den Zugang in den USA rund 20 % günstiger als AOL.

Zukunft von Breitband noch ungewiss

Ob sich das Breitband aber für Yahoo auch zum Umsatzbringer entwickelt, ist völlig unklar. Analysten kritisieren, dass das Unternehmen sich nur sehr vage zu den Details der Kooperation mit SBC äußert, so dass sie keine genauen Voraussagen machen können.

Weder AOL noch MSN sind so stark auf die neuen Umsätze angewiesen wie Yahoo: MSN hat das umsatzstarke Mutterunternehmen Microsoft Corp. im Rücken; AOL hat neben den Werbeeinnahmen, die im vergangenen Jahr wie bei allen Internetanbietern eingebrochen sind, eine Abonnentenbasis von immerhin 35 Millionen Nutzern, die monatlich für den Internetzugang zahlen, und gehört zum weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner Inc.

AOL könnte der Breitbandzugang allerdings wenig Freude bereiten: Jessica Reif Cohen, Analystin beim Investmenthaus Merrill Lynch, hat berechnet, dass AOL durch den Hochgeschwindigkeitszugang pro Nutzer weniger Gewinn generiert als durch das traditionelle Einwahlgeschäft. Reif Cohen meint, dass das Unternehmen zusätzliche Umsätze mit Inhalten wie Musik und Filmen erzielen muss, um erfolgreich zu bleiben - zumal sich die Werbeeinnahmen ihrer Einschätzung nach bei AOL erst im Jahr 2004 wieder erholen würden.

Derzeit versuchen die drei Unternehmen, mit neuer Software und zusätzlichen Dienstleistungen die Kunden bei Laune und damit auf ihren Seiten zu halten. Yahoo hat eine neue Kommunikationssoftware - einen "Instant Messenger" für Firmen - vorgestellt. AOL will am 15. Oktober seine neue Browser-Software auf den Markt bringen, MSN wird am 24. Oktober folgen.

Quelle: Handelsblatt

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