Überzeugungsarbeit
Blair beschwört die Kritiker im Unterhaus

Tony Blair in der Höhle des Löwen. Der britische Premier, weltweit in der Irak-Frage als «Falke» bekannt, versuchte vor heimischem Publikum den Balanceakt.

HB/dpa LONDON. Im Unterhaus warnte er die teilweise skeptischen Abgeordneten am Dienstag vor der "einzigartigen Gefahr", die Saddam Hussein für die ganze Welt darstelle. Das vorgelegte Waffendossier enthalte "überwältigende Beweise" dafür, dass Saddam "gestoppt" werden müsse. Aber zugleich beruhigte Blair: "Ich argumentiere nicht für den Krieg."

Blair bringt auch Kritiker auf seine Seite

Für diejenigen, die den scheinbaren Gegensatz verwirrend finden könnten, hatte Blair einen cleveren Zusatz bereit. Wenn gegen Saddam alle diplomatischen Mittel versagt hätten, dann müsse sich jeder Einzelne fragen: "Ist es klug, die Lage im Irak so zu lassen, wie sie im Moment ist?"

Nach einer Dringlichkeitssitzung des Kabinetts, bei dem Blair auch kritische Minister auf seine Seite gebracht haben soll, ist der Kurs klar: Eine neue UN-Resolution und die Entsendung von Waffeninspekteuren sind oberste Priorität. Erst wenn dieser Weg am Widerstand Saddams scheitert, sollen die Waffen klirren. "Verwirrspiele" und Verzögerungen von Seiten Saddams würden dabei nicht endlos hingenommen.

Blairs Taktik ist der Zeitgewinn. Die Taktik seiner Kritiker ebenso. Sie hoffen, den Labour - und Regierungschef durch Debatten und Parteitagsdiskussionen wenigstens etwas von seiner "blinden Gefolgschaft" der USA abzubringen und "britische Interessen" stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Der Ausgang dieses Tauziehens muss als offen gelten. Aber immerhin - das hektische Gerede von einer Militäraktion noch in diesem Herbst ist in den Fluren von Westminster verstummt.

Labour-Kollegen betonen Völkerrecht

Donald Anderson, Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des Unterhauses, gab sich deshalb am Dienstag auch gelassen. Das Dossier, so sagte er, sei nicht mehr als eine "nüchterne" Zusammenstellung der Fakten, auf deren Grundlage die Abgeordneten die von Saddam ausgehenden Gefahren einzuschätzen hätten.

Alle seiner Labour-Kollegen bestünden darauf, diese Tatsachen in einen Rahmen des Völkerrechts zu setzen und den Weg über die UN "voll auszuschöpfen". In diesem Sinne, so fügte Anderson hoffnungsvoll hinzu, werde Blair künftig auch auf US-Präsident George W. Bush einwirken.

Obwohl es im Unterhaus keine Abstimmung über das weitere Vorgehen gegen den Irak gab, hat die Diskussion nach Ansicht von Teilnehmern die Luft gereinigt. "Wir haben unsere Gedanken ausgetauscht. Künftige Entscheidungen werden kollektiv getroffen", sagte der Blair-Vertraute Innenminister David Blunkett am Dienstag.

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