Uefa-Cup-Halbfinale
Sammer bremst BVB-Euphorie

Rotterdam in Sichtweite, den Uefa-Cup vor Augen, doch nach dem Uerdingen-Trauma von Matthias Sammer bremst der Trainer jegliche vorzeitige Euphorie.

sid,cra MAILAND. "Das wird kein Betriebsausflug, denn ein 4:0 ist kein Ruhepolster. Es gab genug Mannschaften, die sich sicher glaubten und rausgeflogen sind. Ich weiß es aus eigener Erfahrung", appellierte der Trainer von Borussia Dortmund vor dem Abflug zum Halbfinal-Rückspiel am Donnerstag beim AC Mailand an sein Starensemble.

Sammer erinnert sich nur zu genau: Im Pokalsieger-Wettbewerb 1985/86 hatte er als damals 18-Jähriger mit Dynamo Dresden, unter Vater Klaus Sammer als Coach, das Hinspiel gegen Bayer Uerdingen 2:0 gewonnen und anschließend am 19. März 1986 in Krefeld noch zur Halbzeit mit 3:1 geführt, bevor am Ende mit einem 3:7 das bittere Aus folgte.

"Jeder Spieler sollte wissen, dass uns die Mailänder auf die Schlachtbank führen wollen. Denn das Hinspiel war eine Demütigung für sie", sagte BVB-Boss Gerd Niebaum. "Mailand ist ein Pflaster, wo so etwas auch passieren kann. Doch wer von unseren Spielern nicht begriffen hat, dass wir eine große Chance haben, erstmals seit 1997 wieder in ein europäisches Finale einzuziehen, dem ist ohnehin nicht zu helfen", ergänzte Sammer. Auf Spekulationen, wonach er einige Leistungsträger angesichts des komfortablen Vorsprungs schonen würde, reagierte der gebürtige Sachse außerst ärgerlich: "Ich bin doch nicht wahnsinnig."

Offenbar wagt der BVB-Coach das Vabanque-Spiel mit den Gelben Karten. Denn gleich fünf Akteuren droht im Falle einer weiteren Verwarnung im Hexenkessel des Giuseppe-Meazza-Stadions eine Sperre im Endspiel. Betroffen sind unter anderem Marcio Amoroso, dreifacher Torschütze beim "Samba"-Festival im Hinspiel, und Mittelfeld-Regisseur Tomas Rosicky, außerdem Christoph Metzelder, Sunday Oliseh und Miroslav Stevic.

Zumindest stehen den Schwarz-Gelben der genesene Nationalspieler Lars Ricken und auch der Brasilianer Dede wieder zur Verfügung. Sebastian Kehl, im Europacup nicht spielberechtigt, flog ebenfalls mit nach Mailand, weil die Westfalen direkt von Norditalien zum Bundesliga-Gastspiel am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern fliegen.

Ex-Nationalspieler Jürgen Kohler wird dagegen erst am Donnerstag bei der Mannschaft eintreffen. Wegen der Geburt seines zweiten Sohnes Marlon, der am Mittwoch das Licht der Welt erblickte, erhielt der Welt- und Europameister von Sammer die Erlaubnis, mit einem Tag Verspätung nachzukommen.

"Volle Konzentration auf die letzten Wochen der Saison sind angesagt. Es gibt keinen Grund in Mailand ängstlich zu agieren, wir wollen mit dem Selbstvertrauen aus dem Hinspiel dokumentieren, dass wir ins Finale wollen. Ziel ist deshalb ein Auswärtstor", sagte Sportdirektor Michael Zorc, denn auch Milan habe die Qualität ein ebenso großes Spiel zu machen wie der BVB im Westfalenstadion.

Routinier Stefan Reuter meinte: "Eine größere Blamage als jetzt noch auszuschneiden, kann ich mir nicht vorstellen. Das Umfeld erwartet von uns das Finale." In Mailand formulieren die Spieler Kampfansagen. "Borussia soll so leiden wie wir. Das Schlimmste war, ertragen zu müssen, wie uns die Deutschen verhöhnen", sagte Mittelfeldspieler Gennaro Gattuso.

Als Stärkung der Offensive hofft Milan auf das Comeback des Ukrainer Andrej Schewtschenko nach überstandenen Muskelproblemen. Fehlen werden hingegen der angeschlagenen Kapitän Paolo Maldini sowie Rui Costa unde der gesperrte Massimo Ambrosini. Auch der nach dem Uefa-Cup-Debakel vielkritisierte Coach Carlo Ancelotti steckt in der Zwickmühle. Setzt er im fast aussichtslosen Halbfinale gegen Dortmund alles auf eine Karte oder die Priorität auf das richtungweisende Punktspiel am Sonntag gegen Juventus Turin?

Denn nur Platz vier und Chance auf den Einzug in die Champions League könnte die Tifosi nach einer verkorkste Saison des dreimaligen Weltpokalsiegers versöhnen. - Die voraussichtlichen Aufstellungen: Mailand: Abbiati - Contra, Roque Junior, Laursen, Kaladze - Gattuso, Albertini, Serginho, Pirlo - Inzaghi, Schewtschenko Dortmund: Lehmann - Evanilson, Wörns, Metzelder, Dede (Heinrich) - Oliseh, Rosicky, Heinrich (Stevic) - Ewerthon, Koller, Amoroso Schiedsrichter: Gilles Veissiere (Frankeich)

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