Uhren-Special
Treiben im Takt

Uhrenliebhaber leben ihre Lust aus: Mit erotisch-pornografischen Bildern auf dem Zeitmesser zeigen sie Traditionsbewusstsein.

Sie treiben es in allen denkbaren und undenkbaren Situationen: im Büro, in einer Berghütte, vor dem Matterhorn und in einer venezianischen Gondel. Zu zweit, zu dritt, mit Hund oder ohne. Die Figuren, die Sven Andersen zum fortwährenden, mit der Zeit etwas monotonen Liebesleben im Tick-Takt erweckt hat, entspringen nicht der Phantasie des Genfer Uhrenmanufakturisten. Ihre Vorbilder haben schon im 18. Jahrhundert die alten Spiele gespielt - in Chronometern, die der feine Herr an der Kette in der Westentasche trug. Oder in den Beinkleidern.

Nun sind sie wieder da, die erotischen Automaten. In einer Zeit, da alle Tabus gefallen und sämtliche Techniken verfügbar erscheinen, lockt gut betuchte Sammler das eine, das der Zeitmessung den Zusatzkick gibt. Für Meistermanufakteur Andersen ist die Ausstattung seiner Uhren mit erotischen Darstellungen vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks seiner Kundschaft. Und den erfüllt er kundig und mit geschickten Fingern.

Zur Wahl stehen neun sinnliche Motive. Wem das nicht reicht, den bittet Andersen: "Kontaktieren Sie mich!" Für 48 000 Schweizer Franken beispielsweise setzt er bis zu elf Teile in einschlägig-rhythmische Bewegung. Allein vom Handwerklichen her ist diese Zahl rekordverdächtig. Deutlich geringer liegt da die Produktion selbst: "Ein bis zwei erotische Automaten bauen wir pro Monat", rechnet Uhrmacher Roland Gloor. Und lächelnd: "Als wir das Thema Bill Clinton aufgriffen, war es kurzfristig auch etwas mehr."

Doch die Beliebtheit anstößiger Uhren ist weder abhängig von aktuellen Ereignissen noch von Jahrhunderten. Schon 150 Jahre bevor jetzt auch die Schweizer Manufaktur Blancpain ihren neuesten erotischen Modelle vorstellte, standen die Herren der feinen bürgerlichen Gesellschaft auf die sündigen und sündhaft teuren Kombinationen aus Uhrmacher-, Graveur- und Emaillierkunst. Das Verruchte war en vogue. Obwohl es den Moralvorstellungen dieser Zeit diametral widersprach - oder gerade deshalb.

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