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Ukraine: Juschtschenko führt bei Teilauszählung deutlich

Bei der Präsidentenwahl in der Ukraine liegt Oppositionsführer Viktor Juschtschenko nach ersten Auszählungen deutlich vor Viktor Janukowitsch in Führung. Die Auswertung von knapp 12,5 Prozent der Stimmzettel sah Juschtschenko am Sonntagabend mit 60,1 Prozent vor Janukowitsch mit 36,4 Prozent.

dpa KIEW. Bei der Präsidentenwahl in der Ukraine liegt Oppositionsführer Viktor Juschtschenko nach ersten Auszählungen deutlich vor Viktor Janukowitsch in Führung. Die Auswertung von knapp 12,5 Prozent der Stimmzettel sah Juschtschenko am Sonntagabend mit 60,1 Prozent vor Janukowitsch mit 36,4 Prozent.

Mehr als 12 500 ausländische Beobachter verfolgten die dritte Wahl der Ukrainer innerhalb von zwei Monaten. Janukowitschs Wahlkampfstab kündigte Klagen gegen angeblich massive Verstöße bei der wiederholten Stichwahl an.

Nach Verkündung der ersten Teilergebnisse strömten zehntausende Anhänger Juschtschenkos auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew zusammen. In drei unterschiedlichen Umfragen (exit polls) lag Juschtschenko mit mindestens zehn Prozentpunkten vorn. Der beurlaubte Viktor Janukowitsch kündigte für den Fall einer Niederlage an, im Parlament eine starke Opposition aufbauen zu wollen. Der nur zu Beginn des Wahlkampfs vom scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma unterstützte Kandidat behielt sich rechtliche Schritte gegen mutmaßliche Wahlrechtsverstöße vor. "Wir werden die Rechte unserer Wähler und des gesamten ukrainischen Volkes mit allen vom Gesetz erlaubten Mitteln verteidigen", betonte Janukowitsch in Kiew.

Das Juschtschenko-Lager zeigte sich nach den massiven Unregelmäßigkeiten bei der Stichwahl vor fünf Wochen dieses Mal zufrieden mit dem Verlauf. Das Oberste Gericht hatte die Wahl vom 21. November und den offiziell verkündeten Sieg Janukowitschs für ungültig erklärt.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (Osze) schickte die größte Beobachtermission ihrer Geschichte in die Ukraine. Aus dem Nachbarland Polen reisten mehr als 1 000 Experten als Wahlbeobachter an. Auch das Auswärtige Amt in Berlin entsandte 110 Beobachter.

Der durch das neue Wahlgesetz eingeschränkte Einsatz mobiler Wahlurnen sorgte landesweit für Verärgerung. Nach Manipulationen sollte das Recht, zu Hause wählen zu dürfen, nur noch für Schwerbehinderte gelten. Das Verfassungsgericht rügte diese Einschränkung für Pensionäre und Menschen mit leichten Behinderungen in einer Eilentscheidung als Bruch der Verfassung. Das Urteil erging am Samstagmorgen vor der Wahl. Da blieb vielen Menschen nicht mehr genug Zeit, sich doch noch für die Stimmabgabe zu Hause anzumelden.

"Mit dieser Einschränkung will die Juschtschenko-Seite künstlich die Wahlbeteiligung nach unten drücken", sagte Sergej Kirejew vom Janukowitsch-Stab in Donezk der dpa. Vor allem ältere Menschen mit Gehbehinderungen würden um ihr Wahlrecht betrogen.

Nach den personellen Veränderungen in den Wahlkommissionen sprach das Juschtschenko-Lager von einer deutlich korrekteren Abstimmung. "Das Ausmaß von Fälschungen ist schwer vorherzusagen. Aber ich bin überzeugt, dass es deutlich niedriger als im ersten und zweiten Wahlgang sein wird", betonte Juschtschenkos Berater Nikolaj Katerintschuk am Nachmittag.

Der Wahlkampfstab Janukowitschs in Donezk dementierte Presseberichte, wonach sich zehntausende Ostukrainer in Erwartung einer Niederlage ihres Favoriten zur Fahrt nach Kiew rüsteten. "Unsere Leute werden am Montag wieder an der Werkbank stehen oder in die Kohlegruben einfahren", kündigte Kirejew an. Die Anhänger der Opposition hatten nach wochenlangen friedlichen Protesten in der Hauptstadt Kiew eine politische Wende erreicht. Im Osten und Süden der Ukraine war diese Entwicklung mehrheitlich abgelehnt worden.

In den vergangenen Tagen und Wochen hatten sich die Anzeichen für eine nur noch schwache Unterstützung des Kandidaten Janukowitsch durch den alten Staatsapparat sowie die Großindustrie verdichtet. Auch der russische Präsident Wladimir Putin war von seiner zuvor eindeutig geäußerten Unterstützung Janukowitschs abgerückt.

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