Ulf Rittinghaus steht vor einem Scherbenhaufen
Sachsenring-Pleite ist unausweichlich

Das Aus für die Sachsenring AG ist so gut wie besiegelt. Wie am Dienstag aus Unternehmenskreisen verlautete, sind die Gespräche mit den Gläubigerbanken gescheitert. Mit einem Insolvenzantrag sei in Kürze zu rechnen, höchstwahrscheinlich noch in dieser Woche.

va BERLIN. Damit ist der Liquiditätsengpass, mit dem der Autozulieferer aus Zwickau seit Monaten kämpft, zur Liquiditätsfalle geworden. Rund 31 Mill. Euro hätte Sachsenring laut Banken- und Unternehmenskreisen benötigt, um sich aus der Misere zu befreiten. Das Geld hätte der einstige Hersteller von Trabis, den die Brüder Ulf und Ernst-Wilhelm Rittinghaus der Treuhandanstalt im Jahr 1993 abkauften, auch dringend für Reinvestitionen in den Maschinenpark gebraucht.

Dennoch hat das Management offenbar noch nicht aufgegeben. "Es gibt zwar noch keine endgültigen Ergebnisse aber wir sind guter Hoffnung für Fortführungskonzepte", betonte eine Sachsenring-Sprecherin.

Die Pleite hatte sich schon seit Monaten abgezeichnet. Wie berichtet, wies Sachsenring bereits im Geschäftsjahr 2001 einen negativen Cash-Flow aus und schrieb auch operativ rote Zahlen. So erwirtschafteten die Zwickauer in der Fahr-zeugtechnik Verluste. Der Bereich trägt rund 70 % zum Umsatz von 271 Mill. Euro bei. Nach wie vor gilt die Sparte aber als attraktiv. Für sie interessiert sich dem Vernehmen nach neben anderen der kanadische Autozulieferer Magna, der zum Thema Sachsenring jedoch jeglichen Kommentar ablehnt. In Banken- und Unternehmenskreisen hieß es, Magna interessiere sich nicht für den Konzern als Ganzes und werde jetzt nicht als Retter einspringen.

Denn auch die beiden anderen wichtigen Sparten von Sachsenring schreiben Verluste. Dies gilt sowohl für die Schweizer NAW Nutzfahrzeuge, den Hersteller von Fahrerhäusern, den Sachsenring dem Stuttgarter Automobilkonzern DaimlerChrysler abkaufte, als auch für die Trasco Nutzfahrzeuge Bremen GmbH, die gepanzerte Fahrzeuge produziert. Aus Banken- und Unternehmenskreisen hieß es, die für teures Geld in Bremen errichtete Fabrikanlage sei ohnehin überdimensioniert. Trasco habe dort auch in erfolgreicheren Zeiten nur Einzelmodelle gefertigt, vorzugsweise für zahlungskräftige Kunden aus dem Nahen Osten. Dennoch hat Sachsenring nach Informationen des Handelsblatts in den letzten Jahren knapp 50 Mill. Euro in Trasco investiert.

Rund 90 Mill. Euro haben allein die Gläubigerbanken in den vergangenen Jahren an Krediten gewährt, doch ohne dauerhaften Erfolg. Bereits in den letzten beiden Jahren hatte das Sachsenring-Management versucht, über den Verkauf von Beteiligungen - etwa dem Zentrum für Mikroelektronik Dresden - an Geld zu kommen, um einen Weg aus der angespannten Liquiditätslage zu finden. Gleichzeitig waren die Konzernergebnisse in den vergangenen Jahren stark von fehl-geschlagenen Beteiligungsverkäufen geprägt - etwa von dem misslungenen Verkauf der Sachsenring Maschnenbausparte an die Rheinmetall-Tochter Jagenberg.

Quelle: Handelsblatt

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