Ullrich-Glückwünsche für „Opa“ Heppner
Giro schließt Dopingsünder Simoni aus

Gilberto Simoni konnte sich nur kurz über seinen Etappensieg beim 85. Giro d'Italia vom Donnerstag freuen. Am Freitag zog die Giro-Rennleitung Konsequenzen aus dem nachgewiesenen Kokain-Doping beim Vorjahressieger und drängte den italienischen Radprofi auszusteigen, obwohl eine theoretisch mögliche B-Proben-Analyse noch aussteht.

dpa CAMPITELLO/BERLIN. Am Mittwoch war der Giro-Sieger von 2000, Stefano Garzelli, disqualifiziert worden, nachdem ihm die Einnahme des verbotenen Mittels Probenecid, zur Verschleierung von Doping-Mitteln geeignet, nachgewiesen worden war. Auf Druck der Direktion verließ am Freitag auch Roberto Sgambelluri (Italien) aus dem Pantani-Team Mercatone Uno den Giro. Der ehemalige Telekom-Profi war des Blut-Dopings überführt worden. Auch sein Teamchef Marco Pantani, der seit Beginn der Italien- Rundfahrt der Konkurrenz nur hinterherzuckelt, scheint vor dem Giro- Aus zu stehen. "Für mich ist der Giro zu Ende. Ich habe eine Bronchitis", erklärte der Giro- und Tour-Sieger von 1998, seit drei Jahren in ständigem Kontakt mit den Justizbehörden seines Landes wegen verschiedener Doping-Affären steht.

Simoni, der Jens Heppner im Rosa Trikot am Donnerstag auf der elften Etappe 1:02 Minuten abgenommen hatte, wurde direkt vom Siegerpodest von drei Polizisten zum Verhör gebeten. Nicht einmal duschen konnte der Etappensieger von Campitello vorher. Der 30- Jährige wurde mehr als zwei Stunden zu den Ursachen seiner positiven A-Probe vom 24. April durch die Internationale Anti-Doping-Agentur (WADA) befragt. Simoni blieb bei seiner Version, eine Betäubungsspritze beim Zahnarzt habe ihm zu der positiven Analyse verholfen. Jetzt ist für ihn und sein Team auch ein Start bei der Tour de France unwahrscheinlich.

Bei der parallel laufenden Belgien-Rundfahrt erstattete der italienische Mapei-Fahrer Eddie Ratti Anzeige, weil er in seinem Gepäck eine Spritze mit dem verbotenen Mittel Genotorm gefunden hatte, die ihm, wie er erklärte, nicht gehörte. Daraufhin wurden alle am Start befindlichen Fahrer des italienischen Mapei-Teams - beim Giro war Garzelli Mapei-Kapitän - in einer Militär-Kaserne zum Doping-Test geführt. Die Ergebnisse lagen am Freitag noch nicht vor. Am 3. Juni berät die Schweizer Disziplinar-Kommission über den Fall Garzelli, der in Lugano beim Schweizer Verband registriert ist.

Doping und Drogen sind weiter der Stoff für die Schlagzeilen beim Giro. Heppners beherzter Kampf im Rosa Trikot geht fast unter. Auch am Freitag widmete die mitveranstaltende "Gazzetta dello Sport" dem 37-Jährigen, seit Samstag Spitzenreiter, nur wenig Platz in der Berichterstattung. Die Zeitung bezeichnete ihn wenig schmeichelhaft als "Opa Heppner", bescheinigte ihm aber großen Kampfgeist. Der am Knie lädierte Jan Ullrich, immer noch mit Trainingsverbot belegt, gratulierte seinem sonstigen Zimmer-Nachbarn via Handy. Er hatte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage am Samstag angerufen, als Heppner den Giro-Gipfel erklommen hatte.

Auf seiner Internetseite ließ der Olympiasieger am Freitag wissen: "So leicht wird sich "Heppe' nicht aus dem Trikot fahren lassen." Aber trotzdem dürften die Tage des ersten deutschen Radprofis in Rosa seit 21 Jahren gezählt sein. "Jetzt wird es ganz schwer. Vielleicht kann Jens noch ein Mal gegenhalten", sagte Pevenage vor dem Start der 12. Etappe. In der Endabrechnung am 2. Juni in Mailand traut der Belgier Heppner, der weiter um einen Vertrag für 2003 kämpft, "einen Platz unter den ersten zehn zu". Jetzt ist damit zu rechnen, dass die Simoni-Mannschaft Saeco von der Tour, die am 6. Juli in Luxemburg beginnt, wieder ausgeladen wird. Damit kann sich das Essener Coast-Team wieder leise Hoffnungen auf eine Nach-Berufung machen. Allerdings stehen auch noch französische Mannschaften als Tour-Kandidaten Schlange.

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