Ullrich will Armstrong historischen Sieg verderben
Drama in 21 Akten

Historischer Rekord des Überfliegers Lance Armstrong oder triumphale Rückkehr des einstigen "Wunderkindes" Jan Ullrich? Die Tour de France steht bei ihrer 91. Auflage wieder einmal vor einem großen Duell.

HB LÜTTICH. Vorhang auf zum Drama in 21 Akten: Wenn am Samstag die 91. Tour de France im Lüttich traditionell mit dem Prolog gestartet wird, ist die Zeit der Tiefstapelei und des Versteckspiels vorbei. Beim 6,1 Kilometer langen Einzelzeitfahren durch Lüttich geht es zwar nur um Sekunden, dafür aber um jede Menge Prestige. "Ein guter Einstieg ist immer sehr positiv. Deshalb werde ich voll fahren", kündigte Jan Ullrich an.

Ein Sieg im Prolog über seinen wohl ärgsten Widersacher Lance Armstrong soll dem fünfmaligen Tour-Zweiten Rückenwind für die kommenden drei Wochen und 20 Etappen geben. Alle Vorzeichen deuten auf einen ähnlich spektakulären Zweikampf wie im vergangenen Jahr hin, als Armstrong nach über 3000 Kilometern magere 61 Sekunden Vorsprung ins Ziel rettete. 3:0 führt Armstrong im direkten Vergleich der beiden Rivalen, doch während der Texaner zuletzt ungewohnte Schwächen zeigte, präsentierte sich Ullrich in der Vorbereitung besser denn je, wie der Gewinn der Tour de Suisse zeigte. Der wundersame Formanstieg seines Kontrahenten, der nur gut zwei Monate nach seinem peinlichen Ausstieg beim Flèche Wallone die Tour de Suisse gewann, hat beim fünfmaligen Tour-Sieger Armstrong mächtig Eindruck hinterlassen: "Der Tour-Sieg wird in diesem Jahr härter umkämpft sein denn je. Jan ist sicherlich mein größter Rivale. Er ist besser in Form als all die Jahre zuvor und besser als wir es erwartet haben. Es ist klar, dass es in diesem Jahr an der Spitze ganz eng wird."

Diesmal wird mehr über die Form von Armstrong als über die von Ullrich gerätselt. Spätestens seit dem Einbruch des Perfektionisten bei der Dauphiné-Rundfahrt, als er beim Bergzeitfahren hinauf zum Mont Ventoux fast zwei Minuten auf den späteren Gesamtsieger und Tour-Mitfavoriten Iban Mayo (Spanien) verlor, wittern seine Kronprinzen Morgenluft. Doch davon will sich Ullrich nicht blenden lassen: "Das war wieder eine gute schauspielerische Leistung von Lance. Er ist jemand, der immer auf die Minute topfit ist."

Auch wenn zum Kreis der Mitfavoriten noch andere Fahrer zählen, gibt es für die meisten nur zwei ernsthafte Sieganwärter. "Wenn es einen gibt, der Lance Armstrong schlagen kann, dann ist es Jan", ist T-Mobile-Teamchef Walter Godefroot überzeugt. Für die Objektivität des Belgiers in dieser Frage spricht, dass er dieselbe Meinung auch im Vorjahr vertrat, als Ullrich noch für die Konkurrenz von Bianchi fuhr. "Ullrich kann in diesem Jahr gewinnen", glaubt auch Miguel Indurain. Der Spanier gewann die Frankreich-Rundfahrt zwischen 1991 und 1995, wurde dann aber 1996 vom siegreichen Dänen Bjarne Riis gestoppt und auch von Ullrich distanziert. Indurain steht als bislang Letzter in der Reihe derer, die die Große Schleife fünfmal gewannen, aber im sechsten Anlauf jeweils scheiterten. Vor ihm ereilte dieses Schicksal Jacques Anquetil (Frankreich/1957 und 1961-1964), Eddy Merckx (Belgien/1969-1972 und 1974) und Bernard Hinault (Frankreich/1978/79, 1981/82, 1985).

Seite 1:

Drama in 21 Akten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%