Um böse Überraschungen zu vermeiden
Anleger sollten selbst Unternehmensberichte verfolgen

Undurchsichtige Gewinnzahlen und neue Bilanzregeln verunsichern spätestens seit der Enron-Pleite die Investoren. Neue Bilanzierungsregeln verstärken den Trend noch. Anleger sollten also KGV und Konsorten vergessen, denn einfache Kennzahlen wie etwa die Höhe der Schulden sagen mehr über den wahren Wert eines Unternehmens aus.

DÜSSELDORF. Dass es schlimm für die Deutsche Bank werden würde, damit hatten alle Experten gerechnet. Das schwache Börsenjahr, enorme Kostenprobleme und Abschreibungen auf Beteiligungen werden einen scharfen Ergebniseinbruch nach sich ziehen, orakelte die Finanzwelt Ende Januar vor Bekanntgabe der Jahreszahlen 2001. Doch dann das: Unter dem Strich blieben in der Bilanz des deutschen Branchenprimus nur 167 Millionen Euro hängen - ein Einbruch von 99 Prozent, denn für das Jahr 2000 revidierte Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer den Jahresüberschuss nachträglich nach oben auf 13,5 Milliarden Euro.



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Undurchsichtige Gewinnzahlen und neue Bilanzregeln verunsichern spätestens seit der Enron-Pleite die Investoren. Selbst die Finanzprofis, die die Deutsche Bank schon seit langer Zeit beobachten, kapitulieren vor dem Zahlensalat. Ihre neuen Kursziele für die Aktie reichen von 59 bis 90 Euro. Die Deutsche Bank ist nur ein Beispiel für die immer schwierigere Beurteilung von Aktien und des Marktes insgesamt. Neue Bilanzierungsregeln und der Trend, Unternehmen auf Basis fragwürdiger Kennzahlen zu bewerten, führen Investoren nicht selten in die Irre.

Anleger sollten sich deshalb intensiver denn je selbst mit den Daten, die von den Unternehmen veröffentlicht werden, auseinander setzen. Denn häufig lassen sich die Finanzchefs beim Erstellen ihrer Zahlenwerke vom Erfolgsdruck leiten. Dabei geht es nicht um betrügerisch frisierte Bilanzen, wie sie den Startup-Firmen Comroad oder Phenomedia vorgeworfen werden. Die Rede ist vom legalen Jonglieren mit den Zahlen, das auch bei großen, bekannten Unternehmen gang und gäbe ist.

Wenn Investoren dieses Spiel durchschauen wollen, sehen sie sich im Kern mit zwei Problemen konfrontiert: Zum einen melden viele börsennotierte Gesellschaften inzwischen ihre Gewinne auf der so genannten Pro-forma-Ebene, zum anderen fällt seit diesem Jahr nach den US-Bilanzregeln GAAP die bisherige planmäßige Abschreibung auf erworbene Firmenwerte weg. Wer sich als Aktionär Zeit nimmt, die regelmäßigen Berichte seiner Unternehmen zu verfolgen, kann Enttäuschungen vermeiden.

Quelle: WirtschaftsWoche

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