Umbau der Vorstandsetage
Karstadt strafft Führung von Quelle und Neckermann

Der ständige Ausschuss des Aufsichtsrats von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern KarstadtQuelle hat am Freitag den Umbau der Vorstandsetage des zuletzt ertragsschwachen Versandgeschäfts beschlossen.

Reuters ESSEN. Der 43-jährige Quelle-Vorstandschef Christoph Achenbach werde vom kommenden Jahr an den Vorsitz der weiterhin selbststdigen Vorstände von Neckermann und Quelle übernehmen, teilte KarstadtQuelle im Anschluss an eine Sitzung des Quelle-Aufsichtsrates mit. "Auf Grund von Wachstums- und Renditeschwächen besteht Handlungsbedarf", erklärte KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban. Die neue Führung solle bisher brachliegende Synergie- und Rationalisierungspotenziale heben. Analysten begrüßten die Umbaupläne.

Die Zwei-Marken-Strategie werde aber beibehalten, bekräftigte der Konzern und trat damit Spekulationen über eine mögliche Fusion der beiden Versandhäuser entgegen. Der Umbau sei von den Aufsichtsräten von Neckermann und Quelle in dieser Woche gebilligt worden. Die Karstadt-Obergesellschaft werde kommenden Donnerstag entscheiden.

Den neue Chef des Karstadt-Versandhandels Achenbach gilt nach Einschätzung von Branchenkennern als Vertrauter von Konzernchef Urban und wurde im Frühjahr an die Spitze von Quelle berufen. Forderungen nach einer Zusammenlegung der beiden Versandtöchter war Achenbach stets entgegengetreten. Vor seiner Bestellung zum Quelle-Vorstand war Aachenbach Leiter des Vorstandssekretariats der Schickedanz-Holding, die noch 45,4 % der Anteile an dem Warenhauskonzern hält.

Analysten bewerten den lange erwarteten Umbau positiv. Karstadt wolle nach den Warenhäusern nun auch den Versandhandel endlich auf die Erfolgsspur bringen, hieß es. In den ersten neun Monaten 2001 war das Ergebnis im Versandgeschäft, das rund die Hälfte des Karstadt-Umsatzes ausmacht, trotz einer leichten Zunahme beim Umsatz auf neun Mill. Euro von zuvor fast 36 Mill. Euro eingebrochen.

Fortis-Bank-Analyst Joachim Bernsdorff zeigte sich von den Umbauplänen nicht überrascht. "Der Schritt war dringend notwendig und wird auch Ergebnisse bringen." Auch Commerzbank-Analyst Klaus Becker äußerte sich positiv. Die geplante Zusammenlegung der Logistik senke die Betriebskosten und könnte das Vorsteuerergebnis von Karstadt um 100 Mill. Euro verbessern. Je Aktie bedeute dies ein Plus von 0,60 Euro im kommenden Jahr und einen Euro für 2003. Beide Branchenkenner schlossen nicht aus, dass Karstadt im Versandhandel demnächst Stellen abbauen werde. In diesem Bereich sind rund 31 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Branchenkenner werten den Umbau der Führungsmannschaft aber auch als Zeichen für einen Generationswechsel. So wird der bisherige Neckermann-Vorstandschef Werner Piotrowski (69) nach Karstadt-Angaben zum Jahresende in die Aufsichtsräte von Neckermann und Quelle wechseln. Neben Piotrowski würden zwei weitere Versandhandelsvorstände zum Jahresende ihr Amt aufgeben. Bei Neckermann ist dies wie bereits seit September bekannt Vertriebsvorstand Gisbert Steffen. Bei Quelle gehe Personal- und IT-Vorstand Dieter Schoch in den Ruhestand.

Der Kurs der im M-Dax notierten Karstadt-Aktie lag am Abend in einem freundlichen Marktumfeld mit 0,9 % im Plus bei 39,35 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%