Umbau des Berliner Olympiastadions sorgt für Ärger
Die Atmosphäre und das Erdreich sind vergiftet

Der Umbau des Berliner Olympiastadions sorgt für jede Menge Ärger - vor allem bei der verantwortliche Baufirma. Denn die stößt auf Probleme, die nicht einkalkuliert waren.

BERLIN. Sport, Sport, Sport - dafür wurde das Olympiastadion gebaut. Während dieser Satz ertönt, flimmern bunte Bilder über die Leinwand im Haus des Deutschen Sports. Hertha BSC gewinnt ständig gegen Anorthosis Famagusta; Paul Breitner trifft fortwährend im WM- Spiel gegen Chile; und Jesse Owens holt laufend vier Goldmedaillen. Die Ausstellung zur Modernisierung des Berliner Olympiastadions zeigt die große Vergangenheit. Die Zukunft lauert in Form von Computeranimationen gleich nebenan. Und die Gegenwart ist nur zehn Minuten zu Fuß entfernt. Die Baustelle Olympiastadion, am Samstag Spielort für das DFB-Pokal-Endspiel, verbindet Gestern mit Morgen.

Pompös ist die Arena, und sie soll es auch nach dem Umbau sein. Äußerlich. "Nur innen wird es hochmodern", sagt Alexander Görbing, Pressesprecher des Augsburger Generalbauunternehmers Walter Bau. Die Arena wird herausgeputzt für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zur "High-Tech-Arena von Weltgeltung", zum "Fünf- Sterne-Stadion". Doch bis es so weit ist, bleibt die Arena eine Großbaustelle - auch beim Finale zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Kaiserslautern am Samstag (19.30 Uhr).

Der Umbau ist eine besondere Herausforderung für die Baufirma. Der poröse Beton musste weg, 30 000 Kubikmeter Natursteine wurden abgetragen, nummeriert und eingelagert. Görbing bezeichnet dies als "Operation an einer offenen Wunde, die ständig wieder verletzt wird". Die Sanierung bei laufendem Spielbetrieb erfordert exakte Planungen. Die Bundesliga-Pause während der WM 2002 nutzten die Arbeiter zum Beispiel, um das Spielfeld um 2,65 Meter abzusenken.

76 000 Zuschauerplätze wird das Stadion künftig bieten. "Wenn der Umbau nicht während des laufenden Betriebes erfolgen würde, wäre die Sanierung in der Hälfte der Zeit und mit viel geringeren Kosten möglich", rechnet Pressesprecher Görbing vor. Momentan kalkulieren die Augsburger mit 242 Millionen Euro Gesamtetat. 145 Millionen übernimmt das Land Berlin, 51 Millionen der Bund. Um zusätzliche Kosten streiten sich die Parteien noch.

Vor dem Baubeginn im Juli 2000 sprach niemand von der giftigen Substanz PCB, die in der Erde auftauchte. "Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir ganz anders kalkuliert", sagt Görbing. Handwerker arbeiten in Ganzkörperanzügen, die Bagger werden verkleidet und die PCB-Arbeiten überdacht, "damit der Staub nicht im Stadion herumfliegt". Die Mehrkosten von etwa zehn Millionen Euro, so entschied ein Gericht, soll Walter Bau tragen. Das Unternehmen hat Berufung eingelegt. "Jetzt bewirft man sich mit Gutachten", formuliert Görbing. Nicht nur das Erdreich ist vergiftet.

Nach der Vertragsunterzeichnung zwischen tauchten zudem neue Forderungen der Fifa auf, die als Weltverband dem Stadion als Endspielort für die WM 2006 zustimmen muss: ein elektronisches Ticketsystem, Aufwärmhallen für Sportler oder Personalunterkünfte. Wer diese etwa zehn Millionen Euro bezahlt, ist ebenfalls noch nicht geklärt. Immerhin hat die Fifa signalisiert, dass sie begeistert ist von dem, was am WM-Endspielort 2006 entsteht. Was vermutlich nur bedingt mit der Tartanbahn zu tun haben dürfte: die wird nämlich in Hertha-Blau erstellt.

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