Umbau zu einem Dienstleistungsbetrieb
Jagoda-Nachfolger kündigt radikale Reformen an

Der designierte Vorstandschef der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster (SPD), hat grundlegende Strukturreformen angekündigt. Er schloss auch eine Abschaffung der Landesarbeitsämter nicht aus.

dpa BERLIN/MAINZ. "Es muss überprüft werden, ob es Zwischenebenen geben muss zwischen dem örtlichen Arbeitsamt und der Zentrale in Nürnberg", sagte Gerster, der derzeit noch rheinland-pfälzischer Sozialminister ist, am Freitag in einem vorab aufgezeichneten Interview des "heute journal" im ZDF.

Außerdem müsse der Eigenverwaltungsanteil der Arbeitsvermittlung reduziert werden. "Die Menschen, die an der Front mit den Arbeitslosen und mit anderen Menschen direkt zu tun haben, deren Zahl muss erhöht werden. Das müssen mehr als zehn Prozent sein in der Arbeitsvermittlung."

Das Problem liegt seiner Ansicht nach in einer zentralistischen und überbesetzten Verwaltung. "Und deswegen werde ich von vornherein klipp und klar sagen, wir brauchen nicht mehr Personal, eher weniger auf Zeit. Wir brauchen auch nicht mehr Geld. Wir müssen also mit dem gleichen Aufwand ein besseres Ergebnis erzielen."

Gerster sprach sich gegen flächendeckende private Arbeitsvermittlung aus. "Arbeitsvermittlung muss Kernaufgabe der Arbeitsämter bleiben." Die derzeitige Bundesanstalt solle zu einem Dienstleistungsbetrieb umgebaut werden. Die Arbeitsämter müssten mit verschiedenen Projekten und Instrumenten der Arbeitsvermittlung in einen Wettbewerb treten, sagte Gerster. Der Vorstand einer reformierten BA müsse "ein wirklicher Vorstand mit Zeitverträgen" sein, der Managementaufgaben wahrnehme.

Als Folge des Skandals um geschönte Vermittlungsstatistiken der Arbeitsämter hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Freitag grundlegende Reformen bei der Arbeitsvermittlung angekündigt. Wegen der Affäre wird der bisherige BA-Präsident Bernhard Jagoda spätestens Ende März in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

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