Umbaukosten über 90 Millionen
Landesregierung will F1 in Hockenheim halten

Am Wochenende fällt die Vor-Entscheidung, ob der Große Preis von Deutschland weiterhin auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Badischen gefahren wird oder ob möglicherweise einer der neuen deutschen Konkurrenzkurse den lukrativen Zuschlag erhält.

dpa STUTTGART/HOCKENHEIM - Für Michael Schumacher steht am Sonntag beim Heim-Grand-Prix immerhin seine WM-Spitzenreiterposition auf dem Spiel, für den Hockenheimring geht es um "Alles oder Nichts". Wenige Tage vor dem Rennen hat Formel-1-Chef Bernie Ecclestone den Druck auf die Veranstalter noch erhöht. "Vielleicht sind wir aus Hockenheim rausgewachsen", sagte der Brite der Zeitschrift "Auto-Bild" (Freitag- Ausgabe) und drohte: "Erfüllt Hockenheim unsere Forderungen nicht, müssen wir weggehen."

Allerdings sind die Chancen für einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag zwischen Ecclestone und der Hockenheimring GmbH gut. Sogar die Landesregierung, in erster Linie Wirtschaftsminister Walter Döring, legt seit Wochen ein höllisches Tempo vor, um Ecclestone davon zu überzeugen, den Vertrag mit der Hockenheimring GmbH über das Jahr 2001 hinaus zu verlängern. Am Sonntag wollen sich Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU), sein FDP-Regierungsvize und weitere Spitzenvertreter aus verschiedenen Bereichen mit dem britischen Motorsport-Mogul am Rande des Renngeschehens zusammen setzen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Kernpunkt der Diskussion: Der mit 92,7 Millionen Mark veranschlagte Aus- und Umbau des Traditionskurses sowie die Aufteilung der Kosten.

"Baden-Württemberg will die Formel 1 im Land halten. Wir geben eine Absichtserklärung für die Finanzierung der notwendigen Umbaumaßnahmen", versprach Döring. "Wir sind entschlossen zu helfen und Ecclestone grünes Licht für seine Pläne zu geben." Der Liberale verwies auf ein Gespräch mit dem DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert. Der gehe davon aus, dass eine grundsätzliche Bereitschaft gegenüber Ecclestone zum jetzigen Zeitpunkt ausreiche, um die Zukunft des deutschen Grand Prix in Hockenheim zu sichern.

Gustav Schrank, der Oberbürgermeister des gut 20 000 Einwohner zählenden nordbadischen Motorsport-Mekkas und Vorsitzende der Hockenheimring GmbH, ist ebenfalls "optimistisch, die Formel 1 halten» zu können. "Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, wenn es uns gelingt, die geplante Modernisierung über die Bühne zu bringen."

Strittig ist vor allem die Finanzierung. Döring hat bereits zugesagt, dass sich das Land an den Kosten beteiligen wird, aber keine Angaben zur Höhe des Beitrags gemacht. Die Automobilindustrie und die Wirtschaft der Rhein-Neckar-Region sind die weiteren Finanziers. Auch wenn noch keine konkreten Zahlen vorliegen, sickerte durch, dass sich die drei Partner die Kosten in etwa teilen werden, also jeder rund 31 Millionen Mark beisteuern muss. "Die Finanzierung ist ein Problem", sagte Schrank. "Die Gesellschafter können nur einen gewissen Beitrag leisten. Wir hoffen, dass uns das Land nicht hängen lässt. Signale sind da." Der Bürgermeister will wie alle anderen den eigenen Beitrag möglichst drücken.

Ecclestone forderte von den Verantwortlichen, den mit 6,823 km nach Spa-Francorchamps zweitlängsten der 17 Kurse im WM-Kalender auf Marketing-gerechte 4,5 km zu kürzen. Zudem sollen die Zuschauerkapazität um 25 000 Sitz- und 10 000 Stehplätze erhöht, das Parkplatzangebot erweitert und die Infrastruktur verbessert werden. Dabei ist noch offen, was mit dem großen, bislang von den langen Hochgeschwindigkeitsgeraden eingerahmten Waldstück passieren soll. "Da gibt es baurechtliche Vorschriften", meinte Schrank.

Angesichts von knapp 90 Millionen Mark Mehreinnahmen allein am Grand-Prix-Wochenende kann davon ausgegangen werden, dass die Zuständigen auch für dieses Problem eine Lösung finden. Schließlich will keiner die Goldgrube Formel 1 an die Ecclestone mit allerlei Zugeständnissen lockende Konkurrenz verlieren. "Rund um Hockenheim ist seit Monaten kein Bett mehr frei", frohlockte Schrank. "Und auch im Umkreis von 50 km sind die Hotels wie jedes Jahr stark belegt."

Dank des deutschen Fahrer-Quartetts mit den Schumacher-Brüdern, Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld sowie Mercedes und BMW wird die Königsklasse des Motorsports hier zu Lande auf lange Sicht weiter boomen mit viel versprechenden Steigerungsraten. "So früh ausverkauft wie dieses Jahr waren wir noch nie", sagte der OB hoch zufrieden.

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