Umbesetzung im Management: Finanzexperten sehen Schlagkraft in Gefahr
T-Online-Aktie stürzt auf neues Rekordtief

Probleme im Vorstand des Internet-Anbieters T-Online haben die Aktie am Donnerstag auf einen neuen historischen Tiefststand gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Einen Tag nach dem Rücktritt von Vorstandsmitglied Ralf Eck verloren die am Frankfurter Neuen Markt notierten Titel zweitweise über sieben Prozent und sackten bis zum Mittag auf ein Tief von 23,50 Euro ab. Bereits Ende August war Wolfgang Keuntje von seinem Posten als Vorstandschef zurückgetreten. Von Reuters befragte Analysten sind der Ansicht, der Telekom-Tochter drohen im laufenden Konsolidierungsprozess der Branche Probleme, sollte sie nicht zu Ruhe kommen. Auf lange Sicht bewerteten die meisten Experten eine Neubesetzung des Vorstandspostens jedoch positiv.

Angesichts der Umbesetzung im Management sehen die Finanzexperten die Schlagkraft von T-Online in Gefahr. "Was wir zur Zeit erleben, ist die zunehmende Sorge der Investoren, dass T-Online nicht mit Konkurrenten wie Lycos, Yahoo und AOL mithalten kann", sagte Jamie Wood, Analystin bei JP Morgan in London. Diese Ansicht vertritt auch Andrew Moffat, Analyst bei ABN Amro in London. Wenn die Querelen im Management in den nächsten drei Monaten nicht ausgeräumt würden, dann laufe das Darmstädter Unternehmen Gefahr, vom gegenwärtigen Konsolidierungsprozess in der Branche nicht ausreichend zu profitieren, sagte Moffat.

Neubesetzung des Vorstandes

Auch Stephan Droxner, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, und sein Kollege Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin hoffen, dass die Neubesetzung des Vorstandes rasch abgeschlossen wird. T-Online müsse schnell wieder zur Tagesordnung zurückfinden und dürfe nicht weiter wertvolle Zeit und Ressourcen verschwenden, sagte Droxner. Aber "lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende", so seine Einstellung.

Seiner Ansicht nach befindet sich T-Online weiterhin in einer guten Ausgangsposition. Die Gesellschaft verfüge in Deutschland über eine sehr gute Marktstellung und besitze eine gut gefüllte Kriegskasse, sagte Droxner. Derzeit empfiehlt er die Aktie zu halten, da die Titel in naher Zukunft noch "ein paar Federn lassen" lassen könnten. Mit der Neuausrichtung des Internet-Anbieters auf die Vermarktung von Breitbanddiensten und-inhalten sieht er den Konzern "auf einem ordentlichen Weg". Um konkurrenzfähig zu bleiben müsse sich T-Online stärker im Inhaltebereich engagieren, sagte Droxner.

Hallmann rät Investoren auf dem gegenwärtigen Kursniveau die Aktie zu "akkumulieren". T-Online sei stark genung, eine längere Dürre-Phase zu überstehen, sagter der Analyst. Auf lange Sicht dürfte die Telekom-Tochter gestärkt aus dem Konzentrationsprozess in der Branche hervorgehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%