Umbuchungen belasten Anzeigengeschäft
Verlage leiden unter Terrorfolgen

Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in Deutschland spüren eigenen Angaben zufolge bei ihren Anzeigenbuchungen die Folgen der Anschläge in den USA.

Reuters HAMBURG. Über die übliche Umbuchungsquote hinaus sei eine gestiegene Zahl von deutlichen Verschiebungen in bestimmten Bereichen zu verzeichnen, sagte Gruner+Jahr-Sprecher Kurt Otto am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei handele es sich um die Branchen Tourismus, Luftfahrt und Finanzdienstleistungen. Aus diesen Terminänderungen für bereits gebuchte Anzeigen entwickelten sich bei einigen Kunden mitunter auch Stornierungen ihrer Werbekampagnen in allen Medien.

Beides sei aber noch nicht in Zahlen zu fassen, fügte Otto hinzu. Der ursächliche Zusammenhang mit den Anschlägen sei in Einzelfällen offensichtlich. Es sei nicht so, dass sich die Anzeigenkunden von den Print-Medien abwenden würden. Vielmehr reagierten Werbe-Agenturen und Unternehmen unmittelbar auf die aktuelle Entwicklung, in der bestimmte Werbeauftritte in allen Medien vorübergehend nicht mehr gewünscht würden.

Schon vor den Anschlägen waren die Verlage von einem rückläufigen Werbemarkt betroffen, für den Gruner+Jahr früheren Angaben zufolge erst im kommenden Jahr eine Trendwende erwartet. Durch die Anschläge hätten sich die "klimatischen Voraussetzungen für eine Erholung im Werbemarkt kurzfristig noch verschlechtert", sagte G+J-Sprecher Otto weiter. Langfristig gehe Gruner+Jahr aber davon aus, dass sich der Markt von diesen Folgen wieder erholen werde. Der Herausgeber von Zeitschriften wie "Stern" und "Brigitte" gehört zu knapp 75 % dem Medienkonzern Bertelsmann.

Auch der "Bild"- und "Welt"-Herausgeber Springer stellt eigenen Angaben zufolge bei den Anzeigen kurzfristige Reaktionen in ausgewählten Branchen wie der Touristik fest. Dort würden manche Anzeigen zunächst nicht geschaltet, sagte Sprecherin Carola Schmidt. "Langfristig gehen wir aber davon aus, dass sich der Markt erholen wird." Zudem sei es zu früh, um Prognosen für die Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn abzugeben. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" rechnet früheren Angaben zufolge bis zum Jahresende mit Ausfällen im Umfang von 200 bis 250 Werbeseiten, die direkt oder indirekt auf die Anschläge zurückzuführen sind. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien rund 50 Seiten Werbung mit potenziellen Einnahmen von brutto 18 Mill. DM entfallen.

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