Umdenken am Markt: Der Blick in die dritte Reihe lohnt

Umdenken am Markt
Der Blick in die dritte Reihe lohnt

Seit die Deutsche Börse über die neue Zusammensetzung von MDax und TecDax entschieden hat, konzentrieren sich Anleger ganz auf die Indizes. Doch auch einige Aktien außerhalb dieser neuen Auswahlindizes sind interessant.

FRANKFURT/M. Wie schnell sich doch die Meinungen ändern: Hieß es vor der Index-Entscheidung der Deutschern Börse in der letzten Woche noch von Analysten, dass Wohl und Wehe von Small- und Midcaps in Zukunft vor allem von der Zugehörigkeit zu einem der neuen Auswahlindizes MDax und TecDax abhängen, so hat sich dieses Bild in den letzten Tagen gewandelt. Bislang galt, dass Werte außerhalb dieser Indizes künftig von institutioneller Seite kaum mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Doch nun sind Analysten voll des Lobes über etliche Werte aus der dritten Reihe, also aus SDax und den Werten unterhalb des TecDax.

Der Grund ist einfach. Am Markt hat sich bei Durchsicht der neuen Indexmitglieder die Einsicht durchgesetzt, dass die Zugehörigkeit zu MDax oder TecDax die Qualität einer Aktie nicht steigert. "Die Mobilcom-Aktie wird nicht besser, nur weil sie künftig im TecDax gelistet ist", bringt es ein Händler auf den Punkt. Ganz anders präsentiert sich hingegen im Moment deren Tochter Freenet, die es nicht in den TecDax schaffte. Die Aktie legte in den vergangenen zwei Wochen über 50 % zu, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen die Festnetzaktivitäten von Mobilcom übernimmt. Ihr Image als Internet-Dienstleister ist das Papier damit los, künftig gilt Freenet als Konkurrent der Deutschen Telekom. Für Markus Glockenmeier vom Bankhaus Delbrück ist der Wert trotz des Kurssprungs immer noch ein Kauf.

Auch andere ehemalige Werte des Neuen Marktes wachsen mit neuen Aufgaben. So arbeitet der US-Halbleiter-Spezialist Dialog Semiconductor künftig mit Intel zusammen. Diese Kooperation könne deutliche Umsatzzuwächse bedeuten, äußerte sich William Wilson von der Deutschen Bank in London. Er stufte die Dialog-Aktie vor einer Woche von "halten" auf "kaufen" hoch. Nach der schwachen Kursentwicklung in jüngster Zeit rechnet er nun mit deutlich höheren Kursen.

Die sind auch bei Bechtle möglich. Das nach eigenen Angaben größte deutsche konzernunabhängige Systemhaus hat nach den jüngst bekannt gegebenen vorläufigen Zahlen seinen Vorsteuergewinn gegenüber 2001 um 25 % auf 18 Mill. Euro gesteigert. Damit wurden sogar die eigenen Erwartungen übertroffen. "Kaufen" sagt deshalb Gerold Deppisch von der Landesbank Baden-Württemberg, auch wenn die Umsatzprognosen von 765 Mill. Euro leicht verfehlt wurden. Die zuletzt vor allem im Ausland hervorragend gelaufenen Geschäfte nähren die Hoffnung auf mehr.

Aber auch, wer es weniger technisch mag, findet im Moment etliche Aktien, die für den Anleger einen Blick lohnen. Geradezu zum Liebling der Analysten hat sich die Aktie der Rational AG gemausert. Galt der Spezialist für Groß- und Gewerbeküchen noch bei der Emission vor drei Jahren als äußerst langweilig, so gibt es inzwischen Kaufempfehlungen von allen Seiten. Grund dafür ist vor allem die hohe Ebit-Marge von rund 20 %, die das Landsberger Unternehmen für das abgelaufene Jahr erwartet. Kräftige Zuwächse vor allem im USA- und Asiengeschäft sind der Grund dafür, dass Rational hohe Gewinne einfahren kann. Einzige Gefahr ist der im Moment schwächelnde Dollar, der die Marge im Exportgeschäft belastet.

Blendend sieht momentan auch die Optiker-Kette Fielmann aus. Daran soll sich auch in Zukunft wenig ändern, glaubt Roland Koenen vom Bankhaus Lampe. Er hält das Geschäftsmodell für sehr konjunkturresistent. Fielmann profitiere vom weiter steigenden Preisbewusstsein der Verbraucher, so dass der Branchenführer in Deutschland trotz eines insgesamt rückläufigen Marktes auch in Zukunft Zuwächse erzielen kann. Weiterer Pluspunkt: Das Unternehmen ist nahezu schuldenfrei. Koenen geht deshalb davon aus, dass Fielmann für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 1,30 Euro je Aktie statt der bisher von ihm erwarteten 1,10 Euro ausschüttet.

Bei Villeroy & Boch soll die Dividende für 2002 wie schon im Vorjahr bei 0,55 Euro liegen. Das wundert nicht vor dem Hintergrund, dass Umsatz und Ergebnis des Keramik- und Sanitärspezialisten nahezu gleichauf mit 2001 lagen. Positiv ist aber, dass sich die Lage nun deutlich freundlicher darstellt als im Herbst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%