Umfeld bleibt kritisch
Langer Samstag lässt Handels-Aktien kalt

Analysten erwarten durch die längeren Ladenöffnungszeiten kaum zusätzliche Profite für die Handelsketten. Auch die Unternehmen selbst setzen auf andere Wachstumsmöglichkeiten - etwa auf Auslandsexpansion.

DÜSSELDORF. Mit viel Tamtam lockten Deutschlands Einzelhändler die Kunden am vergangenen Samstag in ihre Geschäfte. Erstmals durften diese regulär länger als bis 16 Uhr öffnen - dem neuen Ladenschlussgesetz sei Dank. Ihre Freude wollten die Kaufhäuser mit den Kunden teilen und geizten nicht mit Werbegeschenken, Preisnachlässen und Gratis-Sekt.

Die gute Stimmung der Einzelhändler könnte sich jedoch schon bald eintrüben, wenn sich zeigt, dass die längeren Öffnungszeiten nicht den erhofften Umsatzschub einbringen: "Ich rechne nicht damit, dass die ausgeweiteten Ladenöffnungszeiten einen Einfluss auf die Gesamtumsätze der Branche haben werden", sagt Christian Schindler, Analyst für Konsumwerte bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Die Konsumenten werden erst dann mehr Geld ausgeben, wenn ihr verfügbares Einkommen steigt."

Allenfalls könne das neue Gesetz zu Umsatzverschiebungen innerhalb der Branche führen. "Große Einkaufsketten wie Kaufhof, Karstadt oder Douglas könnten Marktanteile hinzugewinnen, weil sie es sich eher leisten können, ihre Geschäfte länger offen zu halten", schätzt Schindler. Mehr Umsatz sei aber nicht gleichbedeutend mit mehr Gewinn, warnt Sascha Tinnefeld von der WGZ-Bank. "Längere Öffnungszeiten bedeuten höhere Kosten für die Unternehmen. Noch ist unsicher, welchen Aufschlag die Kaufhäuser ihren Mitarbeitern für die zusätzliche Samstagsarbeit zahlen müssen. Wir sollten also abwarten, inwieweit die von den Gewerkschaften gestellten Forderungen durch zusätzliche Einnahmen kompensiert werden können", rät er.

Für die Aktien der deutschen Einzelhandelsketten erwarten die Analysten jedenfalls keinen signifikanten Einfluss. Für diese sei das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die Stimmung unter den Konsumenten wesentlich bedeutender. So legten zuletzt auch sämtliche Handelsaktien deutlich zu, als mehre Indikatoren für das Konsumentenvertrauen bessere Werte zeigten. Insgesamt bleibt das Umfeld aber kritisch. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HdE) hat seine Prognose für 2003 zwar leicht angehoben, erwartet aber weiter rückläufige Umsätze.

Besser als der Gesamtmarkt schlägt sich der Düsseldorfer Metro-Konzern. "Metro hat im ersten Quartal auf allen Ebenen operative Verbesserungen erzielt und dadurch überzeugt", lobt Schindler. Positiv sei vor allem, dass sich das Umsatzwachstum in Deutschland mit 3,3 Prozent im Vergleich zu den Vorquartalen deutlich beschleunigt hat, ergänzt Andreas Strobl von der Bayerischen Landesbank. Er erwartet, dass sich die positive Entwicklung in den kommenden Quartalen fortsetzen wird und bewertet Metro mit "Outperformer". Vor allem die gute Marktposition der Cash & Carry- und Media/Saturn-Märkte und deren weitere internationale Expansion lasse hohe Ergebniszuwächse erwarten.

Kritischer bewerten die Analysten aktuell Karstadt-Quelle. "Mit einem Heimat-Geschäftsanteil von fast 90 Prozent ist Karstadt-Quelle zu sehr von der Lage in Deutschland abhängig", sagt LRP-Analyst Schindler. Für ihn ist die Karstadt-Aktie nur ein "Underperformer". Auch wenn sich das Konsumentenvertrauen in Deutschland zuletzt verbessert habe, sei das Wettbewerbsumfeld weiter hart und drücke über die Preisseite auf die Margen. Zudem werde die breite Streuung der Aktivitäten von Karstadt-Quelle von Investoren eher kritisch beäugt. Neben dem klassischen Warenhausgeschäft verkauft der Konzern Flugreisen und Versicherungen und ist seit kurzem Besitzer des Sportsenders DSF. "Der Kapitalmarkt bevorzugt hingegen stärker fokussierte Unternehmen", sagt Schindler.

Zu diesen zählt die Douglas Holding aus Hagen. Sie setzt gezielt auf stark fragmentierte Märkte - neben dem Parfümgeschäft sind das der Schmuckhandel über die Juwelierkette Christ und der Buchhandel über die Thalia-Läden. "Douglas fährt die richtige Strategie", lobt Sascha Tinnefeld. "In ihren Kernbereichen sind sie Marktführer". Im deutschsprachigen Raum wachse Douglas vor allem noch im Buchgeschäft.

"Die eigentliche Wachstumsstory heißt aber Osteuropa", sagt der WGZ-Analyst. Dorthin expandiert Douglas mit seinem Parfümgeschäft. Im wichtigen russischen Markt hat das Unternehmen durch eine Fusion mit dem russischen Anbieter Rivoli bereits Fuß gefasst. Dennoch rät Tinnefeld im Moment dazu, die Douglas-Aktie zu "reduzieren". Zwar stimme die Strategie, nach dem jüngsten Anstieg sei das Kurspotenzial aber wohl vorerst ausgereizt. Für Anleger, die auf die Dividende schauen, bleibt Douglas mit einer Dividendenrendite von rund fünf Prozent aber interessant.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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