Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung
Analysten: Zinserhöhung im Sommer

Die Rezession in Euro-Land ist überstanden, die Wirtschaft beginnt zu wachsen. Während die einen Experten glauben, der Aufschwung könnte sich noch verzögern, erwarten andere rasche Zinserhöhungen.

mak FRANKFURT/M. Ungeachtet aller Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung wächst unter Analysten die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) innerhalb der nächsten drei Monate die Euro-Leitzinsen erhöhen wird. Dagegen haben sich am Geldmarkt, wo Angebot und Nachfrage den Zinssatz bestimmen, die Zinssteigerungserwartungen wieder leicht zurückgebildet.

Nach der jüngsten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 314 Analysten rechnen inzwischen 46,5 % der Befragten bis Juli mit einer Erhöhung der Notenbankzinsen. Das sind 18,6 % mehr als vor einem Monat. 51,3 % gehen von unveränderten Zinsen aus.

Nur noch eine kleine Minderheit von 2,2 % der befragten Analysten hält daran fest, dass der Wendepunkt im Zinszyklus noch nicht erreicht und eine weitere Zinssenkung möglich ist.

Der Erwartungsumschwung werde von wachsendem Inflationspessimismus genährt, erläutert ZEW-Volkswirt Friedrich Heinemann. Nur noch 28 % der Befragten erwarteten eine sinkende Inflationsrate im Euro-Raum. Vor zwei Monaten habe dieser Anteil noch bei 51 % gelegen. Die Inflationsrate ist im März gegenüber dem Vormonat von 2,4 % auf 2,5 % gestiegen. Für bedenklicher hält das ZEW aber die mit 2,9 % noch höhere Rate der um die Energiepreise bereinigen Kerninflation. "Wenn zur hohen Kerninflation jetzt noch ein nachhaltiger Ölpreisschub im Zuge der Nahost-Krise kommt, dann rückt die 2 %-Zielmarke der EZB in immer weitere Ferne", befürchtet Heinemann.

Die EZB geht bisher davon aus, dass der jüngste Ölpreisanstieg nicht von Dauer ist. Nach Ansicht von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing wird sich der Rückgang der Inflationsrate, die im Mai 2001 mit 3,4 % ihren Höhepunkt erreichte, fortsetzen. Der jüngste Ölpreisanstieg habe zwar die Inflationsaussichten in der Euro-Zone eingetrübt. "Es gibt aber keinen Grund, Alarm zu schlagen", sagte Issing.

Am Geldmarkt, wo die Zinssteigerungsfantasien zeitweise überschäumten, ist eine Erhöhung der Euro-Leitzinsen erst im September, also nach der Sommerpause der EZB, fest eingepreist. Der Zinssatz für den Euribor Future mit Fälligkeit im September liegt bei 3,8 %. Der Euribor ist ein von der EZB festgelegter Referenzzins für den Geldmarkt.

Noch ausgeprägter als für den Euro-Raum sind die Zinserhöhungserwartungen für die USA, berichtet das ZEW. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass die US-Notenbank vor der EZB die Zinsen anhebt. Die verhaltene Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan am vergangenen Mittwoch hat die Erwartungen freilich gedämpft. "Eine Zinsanhebung im Mai ist passe und selbst der Termin am 25./26. Juni in Frage gestellt", glaubt die Hypovereinsbank.

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