Umfrage-Ergebnisse
Stoiber erwartet keinen Stimmungsumschwung

Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) erwartet ungeachtet der jüngsten positiven Umfragen für die SPD nach eigenen Worten keinen Stimmungsumschwung zu Gunsten der SPD durch die Hochwasserkatastrophe.

Reuters BERLIN. Unmittelbar vor dem ersten Fernseh-Duell mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte er der Zeitung "Welt am Sonntag", die Wähler würden sich nicht maßgeblich von den Ereignissen der vergangenen Wochen beeinflussen lassen. Dem widersprach der Kanzler. Die Flutkatastrophe werde den Wahlkampf beeinflussen. Die Menschen beobachteten genau, ob sie "in der Krise auf den Kanzler zählen" könnten, sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Beim Auftakt des Wahlkampf-Endspurts kündigte die SPD zudem an, Umwelt- und Energiepolitik im Wahlkampf stärker herauszustellen. Wie auch Stoiber relativierte der Kanzler die Bedeutung der TV-Duelle für den Wahlausgang am 22. September.

SPD legt zu

Die SPD hat in den jüngsten Wahlumfragen bei allen Instituten zum Teil deutlich zugelegt. Wahlforscher führen das auf das Krisenmanagement Schröders in der Hochwasserkatastrophe zurück. Allerdings führen Union und ihr potenzieller Koalitionspartner FDP weiterhin deutlich vor SPD und Grünen.

Auch in der am Sonntag veröffentlichten jüngsten Allensbach-Umfrage gewann die SPD, wurde dort aber mit 32,8 (Vorwoche: 31,9) Prozent weiterhin deutlich niedriger gesehen als bei den anderen Instituten. Die Union legte in dieser Umfrage auf 39,8 (39,7) Prozent zu, während die FDP auf 11,7 (12,8) Prozent nachgab. Die Grünen sieht Allensbach bei 6,6 (6,7) Prozent, die PDS bei nur noch 5,0 (5,6) Prozent, womit angesichts der Fehlermarge von Umfragen der Wiedereinzug in den Bundestag gefährdet wäre.

Stoiber: Hochwasser kein Wahlkampfthema

Stoiber sagte, Momentaufnahmen seien sicher nicht unwichtig. Aber das Hochwasser sei kein Wahlkampfthema. "Mit dem Leid der Menschen Wahlkampf zu machen, wäre völlig verantwortungslos." Die Wähler würden sich bei ihrer Stimmabgabe auch vornehmlich nicht von den Ereignissen der vergangenen Wochen leiten lassen. "Denn die Menschen wissen, dass er (Schröder, Red.) bei der Bekämpfung der zweiten nationalen Katastrophe, nämlich der Arbeitslosigkeit, völlig versagt hat."

Auch Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen erwartet, dass in den kommenden Wochen wieder andere Themen in den Vordergrund treten. Die jüngsten Umfragen zeigten, wie schnell die Wählerschaft auf Ereignisse wie die Flut reagierte, sagte er der "Bild am Sonntag". "Die Situation in der Woche nach der Flut ist eine andere als in der Flut. Dann gelangen wieder andere Themen stärker in den Vordergrund."

Demonstrative Gelassenheit

Vom TV-Duell erwarteten beide Kontrahenten nach eigenen Angaben keine großen Verschiebungen in der Wählergunst. Stoiber sagte, die Bedeutung für den Wahlausgang könne niemand wirklich beurteilen. Das Ereignis werde womöglich überschätzt, weil in Deutschland Parteien und nicht Personen gewählt würden. "Aber seine Bedeutung hat dieser Schlagabtausch sicherlich."

Schröder sagte, das TV-Duell am Sonntag werde nicht die Bedeutung wie in den USA erhalten. Niemand könne ernsthaft von der Schlagfertigkeit im 90-Sekunden-Takt auf die Regierungsfähigkeit der Beteiligten schließen. Daher sei es gut, dass sich die für die SPD erfreuliche Bewegung in den Meinungsumfragen schon vor dem Duell zeige.

Nach Ansicht von Meinungsforschern könnten sich durch die beiden TV-Duelle - das zweite findet am 8. September statt - angesichts der hohen Zahl der noch unentschlossenen Wähler durchaus Verschiebungen in den Umfragewerten ergeben. Der Bochumer Politikwissenschaftler Uwe Andersen sagte Reuters, den positiven Trend könne die SPD nun am ehesten mit den Fernsehduellen verstetigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%