Umfrage: Nur knappe Mehrheit für Stuttgarter Koaltion
Regierungschef rutscht in Wählergunst weiter ab

gof STUTTGART. In der baden-württembergischen CDU/FDP-Landesregierung wächst die Sorge vor einer Niederlage bei der Landtagswahl am 25. März. Vor allem CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel hat nach der jüngsten Umfrage deutlich an Zuspruch verloren, während seine Herausforderin Ute Vogt von der SPD stark zulegt.

Die CDU käme danach nur noch auf 39 % und bliebe hinter dem Ergebnis der letzten Landtagswahl von 41,3 % klar zurück. Die SPD dagegen steigt von 25,1 % auf jetzt 35 %, während die Grünen von 12,1 % auf 8 % absinken. Als stabil erweist sich nur Teufels liberaler Koalitionspartner. FDP-Landeschef Walter Döring kann sich nach 9,6 % bei der Wahl 1996 jetzt über Umfragewerte von 10 % freuen.

Behielten die Demoskopen recht, könnte die schwarz-gelbe Koalition mit zusammen 49 % ihre Regierungsarbeit nur noch mit hauchdünner Mehrheit fortsetzen. Da nach den Umfragen auch die rechtsextremen Republikaner mit mindestens 5 % in den Landtag einziehen, werden nach dem komplizierten baden-württembergischen Wahlrecht mindestens 48,5 % für eine Regierungsmehrheit gebraucht. "Wenn wir nur ein halbes Prozent weiter abrutschen, wird es furchtbar knapp", fürchten daher die CDU-Strategen. Trotz guter Bilanz stehe die weitere Existenz der bürgerlich-liberalen Koalition "auf Messers Schneide".

Erreichen CDU und FDP am 25. März keine Mehrheit, wird in Stuttgart eher mit einer rot-grün-gelben Ampelregierung als mit einer Großen Koalition gerechnet. SPD-Kandidatin Vogt lässt keinen Zweifel daran, dass ihr die Ampel-Lösung lieber wäre als eine Große Koalition unter Führung der CDU. Auch Grünen-Fraktionschef Dieter Salomon kann sich die Realo-Grünen im Südwesten gut in einer Ampel-Konstellation vorstellen. Nur FDP-Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Döring lehnt offiziell jedes Gespräch über eine Regierung aus SPD, FDP und Grünen ab. Grund: Die Liberalen im "Ländle" seien fest auf das Bündnis mit der CDU eingeschworen. Allerdings kann sich auch bei der CDU kaum jemand vorstellen, dass Döring "im Fall der Fälle" auf eine Regierungsbeteiligung verzichten und die FDP in die Opposition führen würde.

Die Ausgangslage zu Beginn der heißen Wahlkampfphase in Baden- Württemberg erscheint für die CDU aus mehreren Gründen ungünstig. So ist es der 36jährigen Ute Vogt auch nach Einschätzung ihrer politischen Gegner überraschend gut gelungen, die darbende Südwest-SPD aufzurütteln und zu mobilisieren. Dagegen muss der 61jährige Teufel nach zehn Jahren im Amt des Ministerpräsidenten auch in den eigenen Reihen gegen eine Nachfolgedebatte ankämpfen. Sollte Teufel bei der Wahl mit weniger als 40 % abschneiden, so eine weit verbreitete Meinung in der CDU, dann müsste er Platz für CDU-Fraktionschef Günther Oettinger machen.

Verlöre die CDU nach 48 Regierungsjahren in Baden-Württemberg bei der jetzigen Wahl gar die Macht, wird das Beben nach einhelliger Einschätzung bis nach Berlin zu spüren sein. Die dortigen Personalquerelen zwischen CDU-Chefin Angela Merkel und Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat Teufel bereits als "orkanartigen Gegenwind" beklagt. Doch selbst wenn es für CDU und FDP am 25. März noch einmal reichen würde, gerät die Berliner CDU-Spitze unter Druck. Deren anhaltender Führungsstreit soll nach der Landtagswahl durch eine vorgezogene Kür des Kanzlerkandidaten beendet werden - am besten schon vor der Sommerpause.

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