Umfrage
Schlechte Stimmung unter deutschen Verbrauchern

Die schlechte Wirtschaftslage drückt den Deutschen weiter auf die Stimmung. Auch die Hochwasserkatastrophe und die geplante Verschiebung der Steuerreform machen den erhofften Aufschwung der bislang schlechten Verbraucherstimmung fraglich.

Reuters FRANKFURT. Der GfK-Konsumklima-Indikator für September stieg zwar geringfügig auf 7,7 von 7,6 Zählern im August, die Verbraucher blicken aber wieder skeptischer in die Zukunft, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag mitteilte. "Die Aussichten für die weitere Entwicklung der Konsumkonjunktur müssen zurzeit mit gemischten Gefühlen gesehen werden", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl mit Blick auf mögliche Effekte der Flutkatastrophe. Volkswirte sehen in dem Pessimismus den Grund für die Konsumflaute, die den Wirtschaftsaufschwung schon seit Monaten bremst.

Aus der monatlichen Befragung von 2000 Personen im Auftrag der EU-Kommission berechnet die GfK jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Der Indikator prognostiziert die Entwicklung des realen privaten Verbrauchs, auf den in Deutschland fast 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entfallen.

Verbraucher sehen Zukunft pessimistischer

Trotz des geringfügig gestiegenen Konsumklima-Indikators ist der GfK zufolge eine Stimmungswende bei den Verbrauchern fraglich. Die Befragten hätten im August sowohl die weitere Konjunkturentwicklung als auch ihre zukünftige Einkommenslage pessimistischer bewertet als im Juli. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen sank auf 7,8 von 12,4 Zählern, die Einkommenserwartungen gingen auf 6,8 von 7,7 Punkten zurück.

"Die Wirklichkeit hat die Optimisten vom Frühsommer wieder eingeholt", kommentierte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. "Die Masse an schlechten Wirtschaftsdaten und die Lage am Arbeitsmarkt tragen nicht gerade zur Stimmungsverbesserung bei." Zuletzt hatten viele Volkswirte ihre Wachstumsprognosen für Deutschland angesichts der schleppenden Konjunkturerholung deutlich gesenkt, und Medienberichten zufolge lag die Zahl der Arbeitslosen auch im August über vier Millionen.

Verbraucher geben kaum Impulse für Konjunktur

Die Flutkatastrophe setzt Bürkl zufolge ein weiteres Fragezeichen hinter einen baldigen Stimmungsumschwung bei den Verbrauchern. Vor allem in Ostdeutschland könnten die Hochwasserfolgen das Stimmungsbild beeinträchtigen, sagte der GfK-Experte. Eine Verschiebung der zweiten Stufe der Steuerreform könnte die Verbraucherstimmung zusätzlich dämpfen. "Dies würde bedeuten, dass der von vielen noch in diesem Jahr erhoffte Aufschwung (beim privaten Konsum) um einige Monate verschoben wird."

Angesichts des weiter schwachen Konsumklimas sieht Bürkl keine nennenswerten Impulse für den privaten Verbrauch. Manuela Preuschl von der Deutschen Bank warnte jedoch davor, direkt von der Stimmung der Verbraucher auf deren tatsächliche Kaufabsichten zu schließen. Die unsichere Wirtschaftslage könnte die Menschen jedoch durchaus von Käufen abhalten. "Die Stimmungslage liegt zwischen Hoffen und Bangen", sagte die Volkswirtin. "Unsicherheit heißt meist, dass sich die Verbraucher mit größeren Anschaffungen zurückhalten." Weidensteiner nannte die schwache Binnennachfrage den "großen Bremsklotz der deutschen Wirtschaft".

Die August-Umfrage belegte erneut die seit Monaten andauernde Kaufunlust der Deutschen. Der Indikator für die Bereitschaft der Verbraucher, langlebige Gebrauchsgüter wie Fernseher oder Kühlschränke zu kaufen, verharrte wie im Vormonat mit minus 42,5 Punkten nahe dem im April gemessenen Tiefstand der seit 1980 laufenden Umfrage. Grundlage für die GfK-Indikatoren sind Interviews, die in den ersten zwei Wochen des jeweiligen Monats durchgeführt werden. Die Daten fließen in den Klima-Indikator für die EU und die Euro-Zone der EU-Kommission ein. Reuters veröffentlicht die Daten jeweils am letzten Werktag des Monats.

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