Umfrage unter 24 deutschen Banken und Sparkassen
Kreditinstitute investieren noch zu wenig in M-Commerce

Einsicht ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Das gilt hoffentlich auch für die deutschen Kreditinstitute. Denn die haben die Bedeutung des Mobile Commerce für ihr Geschäft durchaus erkannt. Allein: Die Investitionsbereitschaft zur Forcierung dieses Vertriebskanals lässt derzeit noch zu wünschen übrig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Mummert+Partner , die 24 deutsche Kreditinstitute und 37 M-Commerce-nahe Dienstleister zum Thema "M-Commerce bei Kreditinstituten" befragte.

DÜSSELDORF. Mehr als 54 Prozent der Banken und Sparkassen messen dem M-Commerce im Finanzdienstleistungsbereich demnach eine hohe oder sogar sehr hohe Bedeutung bei. Demgegenüber stehen lediglich 12,5 Prozent, die die Relevanz des mobilen Zugangskanals zum Kunden als sehr gering oder gering einstufen. Erstaunlich mutet deshalb das Ergebnis der Frage nach der Investitionsbereitschaft der Unternehmen in M-Commerce an: Mit 62,5 Prozent wurde sie von deutlich mehr als der Hälfte der Befragten als gering oder sehr gering bezeichnet. Nur rund 4 Prozent wollten von einer hohen Investitionsbereitschaft sprechen, das Prädikat "sehr hoch" verwendete dagegen niemand.

Ein bekannter Entwicklungszyklus

Nach Ansicht von Wilhelm Alms, Vorstandsvorsitzender von Mummert+Partner, steht hinter diesen auf den ersten Blick widersprüchlichen Ergebnissen ein vielfach beobachtetes Verhaltensmuster: "Ein Thema wird in den Unternehmen zwar mehr und mehr in seiner Bedeutung erkannt, mit Investitionen halten sich die Entscheider aber meistens lange zurück." Irgendwann platze dann aber der Knoten. "Dann werden alle hektisch und nehmen plötzlich sehr viel Geld in die Hand. Eine ähnliche Entwicklung konnte man zum Beispiel bei der Euro-Umstellung beobachten", erinnert sich Alms. So werde es sich letztlich auch bei den M-Commerce-Aktivitäten der Kreditinstitute verhalten. "Wir kopieren letztlich technologische Entwicklungszyklen aus der Vergangenheit", urteilt er. "Vor fünf Jahren haben wir uns in der gleichen Phase einer Entwicklung befunden - nur auf einem anderen technologischen Niveau."

Derzeit befinde sich die Branche noch in der Trial-and-Error-Phase. "Die Institute sind dabei, die lohnenswerten Felder für Massenanwendungen zu identifizieren." Niemand wolle zu weit vorpreschen, bevor nicht auch die technischen Voraussetzungen für eine breite Akzeptanz mobiler Anwendungen da sind. "Keiner will sein Geld verpulvern." Nach Ansicht von Alms sind für die weitere Entwicklung mehrere Aspekte entscheidend. Neben der Netztechnik spiele das entsprechende Engeräteangebot eine wichtige Rolle. In zwei Jahren werde diesbezüglich ein großer Schritt nach vorne gemacht sein, vermutet er. Dann soll mit UMTS die dritte Mobilfunkgeneration an den Start gehen, die die schnelle Übertragung auch großer Datenmengen erlauben wird. "Zum endgültigen Durchbruch können dem M-Commerce aber letztlich nur gute Anwendungen verhelfen", ist der Hamburger Chef-Berater überzeugt.

Kreditinstitute sehen größtes Umsatzpotenzial bei mobilen Bezahlverfahren

Die Kreditinstitute sehen laut der Studie die größten Umsatzpotenziale für die Zukunft bei teilweise heute schon verfügbaren klassischen Bankdienstleistungen: Mobile Bezahlverfahren (26 Pozent), Brokerage (25 Prozent) und Banking (19 Prozent) sind ihre Favoriten. Erst weit dahinter folgen aus Sicht der Banker Nachrichten-, Shopping- sowie Sport- und Freizeitangebote. 58 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Institut bereits erste M-Commerce-Leistungen anbietet.

Doch Banken und Sparkassen müssen damit rechnen, dass ihnen M-Commerce-nahe Dienstleister Kunden abjagen: Mit 54 Prozent können sich mehr als die Hälfte der in der Mummert-Studie befragten Dienstleister vorstellen, sich in den Geschäftsfeldern der etablierten Finanzinstitute zu positionieren. "Mit zunehmender Virtualität der Zahlungsvorgänge und anderer Finanzdienstleistungen wird die Markteintrittschwelle für Nicht-Finanzdienstleister niedriger", erläutert Alms. Die Institute müssten deshalb schon heute darauf achten, sich vernünftig aufzustellen. Kooperationen wie die der Deutschen Bank 24 und Paybox oder die des Telekommunikationsspezialisten Mobilcom und der Landesbank Baden-Württemberg seien hier richtungweisend. Diese Einschätzung trifft bei den befragten Dienstleistern durchaus auf Gegenliebe: Fast 92 Prozent gehen davon aus, dass sie eine Positionierung in Geschäftsfeldern der Finanzdienstleistung über Partnerschaften erreichen werden. Dass sie sich dabei durchaus in einer guten Verhandlungsposition sehen, resultiert unter anderem aus ihrer Einschätzung über das M-Commerce-Know-how der Kreditinsitute. Gerade 19 Prozent vergaben hier das Prädikat "hoch".

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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