Umfrage unter 2600 Firmeninhabern
Mittelständler unzufrieden mit ihren Banken

Unternehmer aus dem Mittelstand monieren die Beratungsqualität ihrer Banken und kritisieren eine "Zweiklassen-Gesellschaft", so das Ergebnis einer Studie der Ruhr Bochum-Universität und der IHK.

nw FRANKFURT. Unternehmer sind mit ihren Banken sehr unzufrieden. "Die Qualitätsampel steht auf gelb-rot", so fassen Professor Stephan Paul und Stefan Stein von der Ruhr Bochum-Universität die Ergebnisse ihrer Studie zur Betreuungsqualität im Firmengeschäft der Banken zusammen.

In Kooperation mit der IHK Bochum haben sie rund 2 600 kleine und mittlere Betriebe befragt. Nach der ersten Auswertung sprechen die Wissenschaftler von einem "erschreckend klaren Hinweis, dass die Unternehmen deutliche Defizite in der Beratung durch ihre Hausbank verspüren". So erzielten die Kreditinstitute nur 59 Punkte auf einer Skala von 100 für die Qualität. Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmer bescheinigten ihrer Hausbank eine hohe oder sehr hohe Beratungsqualität. Gut jeder siebte empfinde sogar eine niedrige oder sehr niedrige Beratungsqualität.

Dabei gibt es auffällige Unterschiede zwischen kleinen und größeren Mittelständlern, haben Paul und Stein gestellt. Unternehmen mit weniger als fünf Millionen Euro Jahresumsatz fühlten offensichtlich eine schlechtere Beratungsqualität (55 von 100 Punkten) als Firmen oberhalb dieser Schwelle (65 Punkte). Vor allem kleine Mittelständler vermissten ein tiefer gehendes Interesse der Bankberater am wirtschaftlichen Geschehen in den Unternehmen. "Augenscheinlich gibt es in der Wahrnehmung der Firmenkundenberatung der Banken so etwas wie eine Zweiklassen-Gesellschaft", folgert Stefan Stein.

Besonders kritisch seien die von den Unternehmern genannten Defizite der Banken in Hinblick auf die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II), die vom Jahr 2007 an gelten sollen. "Nach den Baseler Plänen werden Banken und Sparkassen künftig gezwungen sein, bei ihren Firmenkunden in wesentlich größerem Maße Informationen zu sammeln als heute", sagt Stein.

Die dort eingesetzten Mitarbeiter müssten eine andere fachliche Kompetenz besitzen als heute, denn sie sollen den Unternehmer stärker als bisher mit Blick auf dessen Geschäft beraten. Sie müssten auch andere methodische Kompetenz besitzen. "Denn sie liefern den Rohstoff, das Ausgangsmaterial für das Rating", begründet Stein seine Einschätzung. Schließlich fordert er auch eine andere soziale Kompetenz, um die zum Teil sensiblen Daten gerade im Mittelstand zu erheben.

Doch den Herausforderungen sind Banker nach Einschätzung der befragten Unternehmer nicht gewachsen: Nur jeder vierte verfüge über fundiertes Branchen-Know-how, nur rund die Hälfte besitze eine gute Analysefähigkeit und nur eine Minderheit der Unternehmer bescheinigt ihren Beratern ausreichende soziale Kompetenz.

Ein ähnlich vernichtendes Urteil über die Kompetenz von Firmenberatern hatten im August die Unternehmensberatung Ernst & Young und der Maschinenbauverband VDMA gefällt: Die Ratingkriterien seien nicht immer ausreichend, die Branchendifferenzierung fast überall zu grob und bei den Banken stünden in der Fläche nicht genügend geeignete Mitarbeiter zur Verfügung. Die Banken haben dieser Kritik widersprochen.

Die Wissenschaftler stellen die Studie am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse vor, der Schlussbericht der kompletten Basel II-Studie soll zum Jahreswechsel vorliegen.

Quelle: Handelsblatt

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