Umfrage
Unternehmen haben ein Herz für Fußballfans

Viele Unternehmen in Deutschland haben ein Herz für Fußball. Zum Halbfinale Deutschland - Türkei am Mittwochabend (Anpfiff: 20.45 Uhr) reagieren die Arbeitgeber - so weit es geht - flexibel: Entweder wird die Spätschicht verkürzt oder es wird Arbeitnehmern ermöglicht, sich in Aufenthaltsräumen vor dem Fernseher zu versammeln. Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

HB HAMBURG. Bei ThyssenKrupp Steel in Duisburg oder ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) gibt es allerdings keine Pause in der Stahlproduktion. "Man kann ja nicht einfach einen Hochofen abstellen", sagte ein Mittal-Sprecher am Montag. Beim Autobauer BMW endet die Spätschicht an diesem Mittwoch in den deutschen Werken schon um 19.00 statt um 24.00 Uhr. Hier wie bei allen anderen Unternehmen muss die Fehlzeit vor- oder nachgearbeitet werden. Am Band im Münchner Stammwerk haben rund 1700 der insgesamt 9000 Mitarbeiter einen türkischen Pass.

Für die Opelaner im Werk Bochum heißt es: "Die Spätschicht hört früher auf, die Nachschicht fängt später an." Und in Rüsselsheim stehen wegen der Werksferien die Bänder bei Opel ohnehin still. Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen wird die Spätschicht ebenfalls auf 20.15 Uhr verkürzt. Die betreffenden rund 1300 Beschäftigten müssen die ausgefallene Zeit in der nächsten Woche nacharbeiten. Wo welche Schichten bei Daimler verkürzt werden, werde von Standort zu Standort geregelt, sagte eine Sprecherin. Im Werk in Sindelfingen (Kreis Böblingen) werde die Spätschicht um 19.30 Uhr statt normalerweise um 22.30 Uhr enden. Die Nachschicht soll erst um 1.00 Uhr beginnen.

Der Vorsitzende der IG Metall in Bayern, Werner Neugebauer, forderte in der "Bild"-Zeitung alle Unternehmen mit Spätschichten auf, den Mitarbeitern vor dem Halbfinalspiel rechtzeitig frei zu geben. "Ich empfehle jedem Arbeitgeber dringend, den Mitarbeitern zu erlauben, während des Spiels die Arbeit ruhen zu lassen. Daran geht Deutschland ökonomisch nicht kaputt. Es gibt genügend Wege, die Stunden nachzuholen." Am größten deutschen Flughafen Frankfurt hängt es von der Art des Jobs ab, wer das Spiel sehen kann und wer nicht. Für unverzichtbare Tätigkeiten wie Gepäckabfertigung oder Sicherheitskontrollen gilt: "Wer im Schichtdienst ist, ist im Schichtdienst, da hat die Arbeit Priorität", sagte ein Sprecher. Wer seine Arbeitszeiten individuell planen könne, kann sich das Spiel mit den Passagieren auf einer Großbildleinwand zwischen den Terminals ansehen.

Bei der Deutschen Bahn mit ihren täglich 27 000 Zügen und S-Bahnen gibt es keine Sonderfreizeit zum Fußballgucken für die Beschäftigten. "Wir können leider nicht freigeben", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn in Berlin. In Zügen des Fern- und Regionalverkehrs würden aber die EM-Ergebnisse durchgesagt.

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