Umfrage zum Verhalten institutioneller Investoren und Spezialfonds
Großanleger spannen Sicherheitsnetze

Risikobegrenzung ist derzeit für Anleger das große Thema. Die Folge: Eine Umschichtung von Geldern in Anleihen. Trotzdem rechnen Experten nicht mit einer strategischen Abwendung von der Aktie. Den Schätzungen zufolge gewinnt die Aktie in den Depots mittelfristig an Boden.

FRANKFURT/M. Institutionelle Anleger suchen in schwierigen Börsenzeiten nach Sicherheit. Sie schwenken aber nicht nur auf relativ wertstabile Anleihen um. Der Wunsch zur Risikobegrenzung und die Unzufriedenheit mit der Leisung der Vermögensverwalter (Asset Manager) hat weiter reichende Folgen: eine stärkere Neigung zu Indexmandaten, eine höhere Bereitschaft zum Wechsel des Asset Managers und eine häufigere Einschaltung eines so genannten Consultants bei der Auswahl des Vermögensverwalters.

Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Umfrage von RCP & Partners, Wiesbaden, einer auf das Rating von Asset-Management-Gesellschaften ausgerichteten Agentur. Einbezogen sind die Aussagen von knapp 60 institutionellen Anlegern, in erster Linie Kreditinstitute, Versicherungen, Pensionskassen und kirchliche Einrichtungen, mit einem Vermögen von rund 100 Mrd.. Etwa die Hälfte der Gelder wird in Eigenregie betreut, die andere Hälfte von beauftragten Vermögensverwaltern in Spezialfonds gemanagt. Das Handelsblatt stellt die endgültigen Ergebnisse der im Frühjahr durchgeführten Umfrage erstmalig vor.

"Die Suche nach Sicherheit ist das große Thema bei den Anlegern", fasst RCP-Geschäftsführer Frank Wehlmann die Ergebnisse der Umfrage zusammen. Der wichtigste Grund: "Das schlechte Börsenklima und die Kursstürze nach den Anschlägen am elften September: Der Schock sitzt tief." Die "Sichere-Hafen-Politik" zeigt sich bei der Aufteilung des Vermögens. Die Aktienquote sank zum Ultimo im Vergleich zum Vorjahr von 35 auf 28 %, der Anleiheanteil stieg von 54 auf 66 %. Zu den Veränderungen trugen sowohl die Kapitalmarktbewegungen als auch Umschichtungen bei.

Dennoch: Diese Neuausrichtung läutet keine strategische Abkehr von der Aktienanlage ein. Das glaubt jedenfalls Hartmut Leser, Geschäftsführer von Feri Institutional Management, Bad Homburg, nach eigenen Angaben Marktführer unter den deutschen Consultants. "Eine sinkende Aktienquote ist für ein Jahr wie 2001 normal. Auf mittlere Sicht halten die institutionellen Anleger aber weiter am strategischen Ausbau dieses Anteils fest", urteilt Leser.

Unzufriedene Anleger

RCP registriert eine gesunkene Zufriedenheit der Anleger mit ihren Vermögensverwaltern. Nur noch 30 % sind mit der Performance zufrieden, während es im Vorjahr noch 70 % waren. "Die Steuerung des Risikos und Risikomanagement beim Asset Manager ist ein weiteres zentrales Thema des vergangenen Jahres", meint Wehlmann. Für fast alle Befragten ist das ein wichtiger Punkt. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit: "Im Vorjahr waren 56 % der Anleger in dieser Hinsicht zufrieden mit ihrem Asset Manager. Jetzt sind es nur noch 46 %."

Feri-Geschäftsführer Leser will die gesunkenen Quoten nicht überinterpretieren. "Das hat viel mit der schlechten Börse zu tun und ändert sich bei besserer Aktienlage auch wieder. Per saldo ist das Vertrauensverhältnis zwischen Anleger und Asset Manager ungetrübt", sagt er.

Trotzdem steigt die Bereitschaft der Anleger zum Wechsel des Vermögensverwalters weiter. Sogar 68 % geben an, aus Unzufriedenheit den Asset Manager in letzter Zeit ausgewechselt zu haben oder das zu planen. Georg Seil bestätigt diese Tendenz. Der Vorstandsvorsitzende von Georg Seil Consulting, Wiesbaden, wertet diese Entwicklung als eine ganz natürliche Reaktion: "Die Anleger sind zu Recht unzufrieden mit ihren Asset Managern, denn viele haben selbst in der Baisse schlechter abgeschnitten als die Indizes."

Das scheint sich auch in der steigenden Neigung zur Vergabe passiver Mandate niederzuschlagen, bei denen das Portfolio analog einer Indexvorgabe zusammengesetzt ist. "Schon jeder fünfte Anleger hat mindestens ein passives Mandat. Bei den geplanten neuen Fonds präferiert schon jeder Dritte ein Indexmandat", erklärt Wehlmann. Auch Leser erkennt einen Trend in diese Richtung: "Das ist gerade bei den großen Institutionen im Ausbau begriffen. Nach unseren Daten wollen beispielsweise die Versicherungen den Anteil ihrer passiv betreuten Aktiengelder von jetzt 19 auf 27 % Ende nächsten Jahres erhöhen."

Laut Seil jedoch wird die Bedeutung der Indexausrichtungen überschätzt. "Nach den schlechten Anlageergebnissen steigt eher die Zahl derer, die aktives Management suchen. In der Baisse hat diese Ausrichtung auch wieder größere Erfolgschancen," sagt der GSC-Vorstandsvorsitzende.

Immer häufiger greifen die Anleger bei der Suche nach passenden Asset Managern auf Consultants zurück. Bereits 27 % nutzen laut RCP ihre Dienste.

Quelle: Handelsblatt

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