Umfrage zur Anlegerstimmung
Dax-Sentiment: Anleger trauen dem Aufschwung nicht

Der Deutsche Aktienindex überwand vergangene Woche das Reaktionshoch bei 4 688 Punkten und legte somit noch eine Schüppe drauf. Gestern konnte er zudem eine so genannte innere Abwärtstrendlinie überwinden.

Die Rally geht weiter und das Ziel sind 5 000 bis 5 100 Punkte. Eine bereits bekannte Zone. Die Investoren aber bleiben verhalten, so jedenfalls belegen es die Ergebnisse der Handelsblatt-Sentimentumfrage in Zusammenarbeit mit der Postbank.

Der Deutsche Aktienindex erklimmt einwandfrei die "Wall of Worry". Zur Erläuterung: Solange die Anleger skeptisch sind und die Kurse trotzdem steigen, spricht man an der Börse davon, dass die Kurse sinnbildlich diese "Mauer der Sorgen" hinaufklettern. Auch in der jüngsten Umfrage legt der Stimmungsindex für die kurzfristige Sichtweise kaum zu. Er kann sich gerade einmal von minus 14 Prozent auf minus vier Prozent hocharbeiten. Damit notiert er nach wie vor unterhalb der Grenze zwischen Bullen und Bären.

Die Marktteilnehmer erwarten den Deutschen Aktienindex zweifelsohne zum Wochenschluss tiefer. Und auch auf mittlere Sicht – also auf Sicht der kommenden drei Monate – kommt kein Stimmungsumschwung auf. Im Gegenteil, der Stimmungsindex für die mittelfristige Sichtweise gibt erneut, nun auf 20 Prozent, nach. Damit fällt er bereits das dritte Mal in Folge. Zwar notiert er oberhalb der Grenze zwischen Bullen und Bären, doch so richtig traut dem Braten niemand. Und solange das der Fall ist stehen die Ampeln aus sentimenttechnischer Sicht weiterhin auf grün.

Die Partnerumfrage von animusX®-Investors Sentiment belegt indes, dass insbesondere die institutionellen Investoren aktuell die antizyklische Vorgehensweise bevorzugen. So jedenfalls dokumentiert es der animusX®-L/S Index. Und der Blick auf die durchschnittlichen Shortquoten spricht ebenfalls Bände: Die Shortquote der institutionellen Investoren springt auf knapp neun Prozent an und liegt damit doppelt so hoch wie das historische Mittel mit rund 4,8 Prozent. Entsprechend verhalten sich die Cashbestände – sie sinken auf 26 nach 31 Prozent.

Vom Grundsatz keine Veränderungen gegenüber den letzten Wochen: Der Dax bewegt sich aus technischer Sicht in einem intakten Aufwärtstrend. Unter Hinzunahme der Sentimentwerte wird deutlich, dass er die klassische "Wall of Worry" erklimmt. Gerade die unterinvestierten Investoren kommen mit jedem Daxpunkt zur Oberseite immer mehr unter Zugzwang. Der Leidensdruck ist aktuell enorm und kann kurzfristig noch zu Sprunghandlungen führen.

Die innere Abwärtstrendlinie scheint überwunden. Die Reise sollte weiter gen Norden gehen und sich gegebenenfalls noch einmal dynamisieren. Nämlich dann, wenn die Shortquoten eingedeckt werden müssen. Dann beginnt die klassische Nöterallye. Für gewöhnlich tritt diese in einem finalen Stadium auf. Kurse von 5 000 bis 5 100 Punkten wären machbar - sollten dann aber zunächst ein kurzfristiges Top darstellen. Die darauf folgende Korrektur muss zeigen, was der jüngste Aufwärtstrend wirklich wert ist. Erst ein Tagesschluss unter der Aufwärtstrendlinie würde die grüne Börsenampel auf gelb umspringen lassen.

Der Autor, Thomas Theuerzeit, ist Technischer Analyst bei Postbank - Financial Markets Research

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