Umfrageergebnisse
Norwegens Arbeiterpartei vor Wahlschlappe

Norwegens Arbeiterpartei (DNA) steht bei den Parlamentswahlen am Montag vor ihrer größten Wahlschlappe seit fast hundert Jahren. In diesem Punkt stimmen alle Meinungsumfragen überein. Einen Tag vor der Abstimmung bestätigten auch die letzten Umfragen den Abwärtstrend der Partei von Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der seit März 2000 eine DNA-Regierung anführt.

Reuters OSLO. Demnach wird die Partei gerade noch ein Viertel der Stimmen erhalten. Die Konservative Partei könnte dagegen mit 23 % zweitstärkste Partei werden und das erste Mal seit zehn Jahren Anspruch auf die Macht erheben. Allerdings will sich den Umfragen zufolge ein Viertel der 3,35 Mill. Wähler erst am Wochenende entscheiden.

So unbeliebt war die Arbeiterpartei seit den zwanziger Jahren nicht mehr. Seit 1924 war sie in jeder Wahl die stärkste Partei. Aber auch bei der vorhergehenden Wahl 1997 erlitt sie hohe Verluste (35 %), die sich bei den Kommunalwahlen 1999 (28 %) nur bestätigten. Sie löste dann zwar im März 2000 noch einmal eine Regierungskoalition aus drei Parteien der Mitte an der Macht ab. Bestätigen sich die Umfrageergebnisse, verliert sie diesmal ihre Wähler jedoch an die rechte Opposition. Die Konservativen könnten dann mit weiteren bürgerlichen Gruppierungen und der rechtspopulistischen Fortschrittspartei die Mehrheit im Parlament stellen.

Die Alternative dazu wäre, dass in einem Parlament ohne dominante Kraft die die kleinen Parteien keine stabile Koalition zu Stande bekommen. Stoltenbergs Berater sollen den Ministerpräsidenten nach Medienberichten schon dazu gedrängt haben, selbst im Falle einer klaren Niederlage nicht zurückzutreten, weil sich das bürgerliche Lager nicht auf eine Regierungsplattform werde verständigen können. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in anderen Ländern muss sich in Norwegen eine Regierung nicht mit Mehrheit ins Amt wählen lassen. Es reicht aus, wenn die amtierende Regierung im Parlament kein Misstrauenvotum verliert. Seit 1985 waren alle Regierungen Norwegens Minderheitsregierungen.

Regierungswechsel wahrscheinlich

Derzeit sitzen im Parlament acht Parteien. Mit ihren 35 % in der vergangenen Wahl hat die DNA 65 der 165 Parlamentssitze erobert. Christliche Volkspartei und Fortschrittspartei haben je 25 Abgeordnete, die Konservativen 23. Die Zentrumspartei hat elf Sitze, die Sozialistische Linkspartei 9, die Liberalen haben sechs und die Küstenpartei einen. Norwegen wählt nach dem Verhältniswahlrecht.

Wenn die Mitte-Links-Parteien diesmal keine Mehrheit mehr haben, hält jedoch Frank Aeerebrot, Professor für politische Wissenschaften an der Universität Bergen, einen Regierungswechsel für wahrscheinlich, "Ich glaube, dass dann die Arbeiterpartei aufgibt, egal wie die eigene Prozentzahl ausgefallen ist." Kritiker halten der Partei vor, sich anders als die britische Labourpartei oder die deutschen Sozialdemokraten nicht modernisiert zu haben. Die Konservativen versprechen zudem Steuerkürzungen und eine effizientere Ausgabepolitik. Obwohl Norwegen der größte Erdölexporteur außerhalb der OPEC ist, zahlen die Bürger mit die höchsten Steuern in Europa.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%